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"Tatort": Perverse Spiele in fürstlichem Ambiente

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Maria Furtwängler in der Rolle der Charlotte Lindholm findet leider nur selten die Balance zwischen Tapferkeit als Polizistin und Verletzlichkeit als Frau. © dpa

München - Drei Stunden für einen Fall, erzählt an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen - schon die schiere Länge dieses „Tatort“ (ARD) aus Hannover soll darauf verweisen, dass es hier nicht um einen gewöhnlichen Mord geht.

Nein, die „Wegwerfmädchen“ (so auch der Titel des ersten Teils), die da auf dem Müll landen, hat sich kein gutbürgerlicher Familienvater „geleistet“ und schon gar kein mittelloser Sonderling. Die Spuren führen in die sogenannten höchsten Kreise, das offenbart dieser Krimi von der ersten Minute an – perverse, menschenverachtende Spiele in fürstlichem Ambiente.

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Und auch, was das ermittelnde Personal angeht, halten sich Buch und Regie mit Signalen nicht zurück. André M. Hennicke als Staatsanwalt? Jeder Zuschauer weiß sofort, dass diese Figur eine dunkle Seite haben muss. Stefan Dähnert und Franziska Meletzky bemühen sich nicht um Subtilität, sie tragen dick auf, wo ein feiner Pinselstrich genügt hätte. So wird schnell klar, wer gut und wer böse ist (Letzteres zum Beispiel Michael Mendl als eiskalter Anwalt).

Und Maria Furtwängler in der Rolle der Charlotte Lindholm? Findet leider nur selten die Balance zwischen Tapferkeit als Polizistin und Verletzlichkeit als Frau. Die Regisseurin lässt ihre Hauptfigur in Liebesdingen herumstammeln wie eine 16-Jährige und mehr als einmal alle Professionalität vergessen.

Dass diese Folge dennoch über weite Strecken fesselt, liegt an der epischen Erzählweise, die viel Zeit lässt für Atmosphärisches, für eine Grundstimmung permanenter Bedrohung, für detaillierte Ermittlungsarbeit. Und für die Feinzeichnung einzelner Milieus und Charaktere, die diesem Film das nötige Leben einhauchen.

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Am besten gelingt das bei den Rockern – und bei dem überlebenden Opfer Larissa Pantschuk. Darstellerin Emilia Schüle ist der heimliche Star dieser Geschichte, sie macht mit ihrem eindringlichen Spiel die Angst und die Einsamkeit einer osteuropäischen Zwangsprostituierten im reichen Deutschland beklemmend spürbar. Vor allem ihr weiteres Schicksal macht neugierig auf den zweiten Teil.

Rudolf Ogiermann

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