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Killer in Schwierigkeiten: Stephane Lalloz.

Politthriller auf Schwäbisch

So war der Tatort aus Stuttgart

Stuttgart - Aktuelle Themen mit Zündstoff greift der Tatort" häufiger auf. Diesmal drehte sich der Kriminalfall für die Tatort-Kommissare um ein Verbrechen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Projekt "Stuttgart 21". 

Der ARD-„Tatort“ nimmt sich immer wieder gerne auch (umwelt-)politischer Themen an, erst vergangene Woche ging es in Bremen um den Kampf für und wider die Windkraft. Insofern war es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis der größte Aufreger der vergangenen Jahre im „Ländle“, der unterirdische Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, zu einem Fall für die Kommissare Lannert und Bootz (Richy Müller und Felix Klare) wird. „Stuttgart 21“ bildet in „Der Inder“ aber nur den Hintergrund für eine Geschichte um Korruption im Zusammenhang mit teurem Baugrund in der City der baden-württembergischen Hauptstadt. Die Idee war gut, sie ermöglichte eine Auseinandersetzung mit dem Projekt, ohne die wahre Geschichte zu klittern.

Ganz klar, dies sollte ein „erwachsener“ Thriller werden, mit zeitweise auf den Kopf gestellter Chronologie der Ereignisse. Passend dazu schuf Autor und Regisseur Niki Stein Sequenzen von großer Authentizität – vom kaltblütigen Mord am mutmaßlich in die krummen Geschäfte verwickelten Ex-Staatssekretär bis zu den gewalttätigen Protesten gegen das Bahnhofsprojekt, einschließlich der medialen Vermittlung in fiktiven „Landesschau“-Ausgaben. Immer wieder findet Kameramann Stefan Sommer Perspektiven, die diesen Film ästhetisch aus dem üblichen Einerlei herausheben.

Und doch haben sich die Macher unterm Strich an diesem Plot verhoben. Es ist ein Politthriller auf Schwäbisch geworden, wie ein ICE, der mal mit Höchstgeschwindigkeit dahinrast und dann wieder auf freier Strecke hält. Der ganz große Coup mit internationaler Dimension verträgt sich vielleicht nicht mit der Aura der Biederkeit, die Lannert und Bootz umgibt – und mit einer von Folge zu Folge mehr nervenden Staatsanwältin (Carolina Vera), deren einzige Aufgabe es zu sein scheint, durchs Polizeipräsidium zu stöckeln und zum Schutz der großen Tiere Ermittlungen zu behindern.

Die wunderbaren Soli von Thomas Thieme als schillerndem Architekt Busso von Mayer auf der einen und die Szenen um den angeschossenen Killer (Stephane Lalloz) auf der anderen Seite – sie wirken wie geheimnisvolle Inseln in einem ruhig daliegenden Meer erzählerischer Routine. Das mag auch mit den Figuren der handelnden Politiker zusammenhängen (Ulrich Gebauer als Ex-Ministerpräsident), die dem Zuschauer fremd bleiben, weil sie eben nicht „echt“ sind. Nichts ist spannender als die Realität – das gilt leider auch für diesen „Tatort“.

Rudolf Ogiermann

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