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Ein starker Abgang: Kommissar Felix Stark (Boris Aljinovic).

TV-Kritik

"Vielleicht": Starks starker Abgang beim "Tatort"

Der letzte Fall für Felix Stark in Berlin: Man nehme eine völlig neue Idee, besetze wundervoll agierende Schauspieler und würze mit einem doppelt überraschenden Ende - fertig ist ein Meister-"Tatort".

Zu klären, wann und wo ein Mord geschah, ist kriminalistischer Alltag, auch im Kriminalfilm. Herauszufinden, wann und wo ein Mord geschehen wird – das ist neu! Und man fragt sich, warum die „Tatort“-Macher der ARD nicht früher auf diese faszinierende Idee gekommen sind. Die dunklen Visionen einer jungen Norwegerin stehen im Zentrum von „Vielleicht“, dem letzten Fall des Berliner Ermittlers Felix Stark (Boris Aljinovic).

Das Talent Trudes, zukünftige Verbrechen zu träumen, verführt Autor und Regisseur Klaus Krämer nicht dazu, einen oberflächlichen Horrorstreifen voller schneller Schnitte und vordergründiger Effekte abzuliefern. Stattdessen wählt er eine fast irritierend ruhige, nachdenkliche Erzählweise. Dass das funktioniert, verdankt er Lise Risom Olsen, die diese junge Frau auf so beeindruckende Weise zart und geheimnisvoll erscheinen lässt. Eine in Gestalt und Sprache wie außerirdisch wirkende Außenseiterin, die ihre staunenden, erschreckenden Mitmenschen über die Fragilität des eigenen Lebens grübeln lässt.

Dass dem Zuschauer die Identität des (Frauen-) Mörders schon früh offenbart wird, tut der Spannung keinen Abbruch – im Gegenteil. Er weiß nun, dass die nächste Katastrophe früher oder später geschehen wird. Der Kontrast von sorgfältig inszenierter Ermittlungsarbeit und dem Tun des potenziellen Täters treiben diesen außergewöhnlichen Krimi voran. Sehr schön zeigt Krämer die Wirkung Trudes und ihrer düsteren Prophezeiungen auf das Team, lauter gut gearbeitete Charaktere, die man schon nach ihrem ersten Auftritt vermissen wird. Vor allem aber nutzt Boris Aljinovic, der (Kurzzeit-) Chef, dieses Solo zu einer großartigen Charakterstudie. In seinem zerfurchten Gesicht scheinen sich die Jahre bei der Kripo, die permanente Konfrontation mit Tod und Leid zu spiegeln (Kamera: Christine A. Maier). Die Angst vor dem nahen Lebensende, die Einsamkeit, die ihn im Alltag jäh umfängt – alles drin in seinem grandiosen Spiel.

Kein Wunder, dass in diesem Krimi auch das Ende passt. Es kommt doch anders, als man denkt – und zwar gleich zweimal. Einfach so im Dienst erschossen zu werden, das wäre angesichts dieser Story doch zu einfach gewesen.

Bei Twitter hatte das offene Ende allerdings für gespaltene Reaktionen gesorgt.

Rudolf Ogiermann

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