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Meret Becker (l.) als Nina Rubin und Mark Waschke als Robert Karow im Berlin-Tatort „Amour fou“.

Kritik zum neuen Fall

Tatort aus Berlin: Im Dickicht der Vorurteile

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„Amour fou“ heißt der neue Tatort aus Berlin - und der liefert, so ganz nebenbei, das wohl überraschendste Episodenende im laufenden Tatort-Jahr.

Kompliziert und komplex waren sie, die ersten vier ARD-„Tatort“-Folgen mit Meret Becker und Mark Waschke als Berliner Ermittlerduo Nina Rubin und Robert Karow. Schließlich galt es – neben jeweils einem aktuellen Mordfall – auch noch das Rätsel um den Tod von Karows ehemaligem Partner zu lösen. Dieser Strang ist nun (Gott sei Dank!) auserzählt, der fünfte Hauptstadtkrimi mit dem Titel „Amour fou“ thematisiert (vom turbulenten Privatleben der Protagonisten abgesehen) keine alten Geschichten mehr. Autor Christoph Darnstädt und Regisseurin Vanessa Jopp konzentrieren sich auf die Erzählung eines Verbrechens. Das ist gut so, kompliziert genug und liefert ganz nebenbei das wohl überraschendste Episodenende im laufenden „Tatort“-Jahr.

Es galt, den Mord an dem Lehrer Enno Schopper aufzuklären. „Fragen Sie mal die Kids im Kiez, was man am besten mit Schwulen macht“, antwortet Ennos Mann den Ermittlern. Homophobie als Mordmotiv? Dass Berlin-Neukölln ein raues Pflaster ist, weiß man. Aber gleich so? Rubin und Karow – und mit ihnen die Zuschauer – müssen sich durch ein Dickicht an Gerüchten, Verleumdungen und Vorurteilen kämpfen, immer im Mittelpunkt ihrer Ermittlungen Schoppers Ehemann Armin Berlow, sensationell verkörpert von Jens Harzer.

Der Schauspieler, der viele Jahre an Münchner Theatern begeisterte (erst Kammerspiele, dann Resi), dürfte „Tatort“-Fans aus einem Fall mit Ulrich Tukur aus dem vergangenen Jahr in Erinnerung geblieben sein. In „Es lebe der Tod“ gab er unfassbar gruselig einen selbst ernannten Sterbehelfer, einen Entscheider über Leben und Tod. Nun brilliert er wieder, als intellektueller Schöngeist und undurchsichtiger Lebemann, als Trauernder, der auch als Täter in Betracht kommt. Harzer trägt den gesamten Film, da sieht man über die eine oder andere stereotype Darstellung (etwa der Jugendlichen) hinweg. Hut ab. Oder, was in diesem Fall besser passt: Chapeau!

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