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„Tatort“ aus Münster: So gut sind Thiel und Boerne in „Des Teufels langer Atem“ (ARD)

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Von: Katja Kraft

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Die ermittelnde Kommissarin (Banafshe Hourmazdi) ist genervt von Boerne (Jan Josef Liefers, li.) und Thiel, die sich in ihren Fall einmischen.
„Was für ein Kindergarten!“ Die ermittelnde Kommissarin Kröger (Banafshe Hourmazdi) ist genervt von Boerne (Jan Josef Liefers, li.) und Thiel, die sich in ihren Fall einmischen. © Werner Kost/WDR

Der Münsteraner „Tatort“ feiert seine 40. Folge! Der neue Fall „Des Teufels langer Atem“, den die ARD am 16. Januar um 20.15 Uhr zeigt, ist eine Hommage an das beliebteste Ermittlerduo der Krimi-Reihe. Thiel und Boerne in Bestform! Unser Kritik.

Jedem Westfalen blutet bei dieser Information das Herz, doch, liebe Fans des Münster-„Tatort“: Der Deutschen beliebtestes Ermittlerduo lebt in Wahrheit im Rheinland. Genauer gesagt: in Köln-Nippes. Seit der ersten Folge „Der dunkle Fleck“ im Jahr 2002 dient ein dortiges gründerzeitliches Gebäude als Drehort für das Wohnhaus von Hauptkommissar Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers). So wie auch die meisten anderen Szenen des Westfalen-Krimis in Köln entstehen. Der Grund – wie immer – geringere Kosten. Aber, und das ist ein Glück, in den entscheidenden Sequenzen sieht man dann doch das vertraute Münsteraner Kopfsteinpflaster, hört die Glocken der Lambertikirche und schreitet mit den Ermittlern durch imposante Höfe im tatsächlichen Münsterland. Das hat sich im mittlerweile 40. Fall und nach dem Abgang von Nadeshda nicht geändert. In „Des Teufels langer Atem“ geht es unter anderem auf einen Hof in Rosendahl (Kreis Coesfeld) und in ein, nun gut, nicht besonders pittoreskes Hotel in Steinfurt.

Frank Thiel (Axel Prahl) schaut sich besorgt die Aufnahmen des Hirntumors seines Vadders an.
Frank Thiel (Axel Prahl) schaut sich besorgt die Aufnahmen des Hirntumors seines Vadders an. © Kost/WDR

Das hat sich Frank Thiel einquartiert, um seinem mit einem tödlichen Hirntumor im Krankenhaus liegenden Vadder (Claus D. Clausnitzer) näher zu sein. Doch schon bald beginnt er von hier Ermittlungen gegen sein eigenes zugedröhntes Ich der vergangenen Nacht. Einmal mehr kann Axel Prahl zeigen, wie lebensecht er auch tiefe Gefühle wie Trauer und Angst schauspielerisch rüberbringen kann. Er ist einem in all den Jahren ehrlich ans Herz gewachsen, dieser optisch etwas zerschlissene Thiel mit seinem blitzblank funkelnden Herzen. Von dieser Vertrautheit des Publikums mit den Figuren lebt die Reihe. Denn seien wir ehrlich: Wäre das ein einmaliger Krimi, würde man der (plötzlich auf Zigaretten verzichtenden! – gute Vorsätze?) Staatsanwältin (Mechthild Großmann) nicht so recht abnehmen, dass sie dem Kommissar trotz Mordverdacht Vertrauen schenkt und ihre schützende Hand über ihn hält.

Die 40. Folge des Münsteraner „Tatort“ ist eine Hommage an das ganze Filmteam

Dieses 40. Folgen-Jubiläum des Münsteraner „Tatort“ ist eine Feier des beliebten Teams, dessen Erfolgsgeheimnis darin liegt, dass wir sie alle mit den Jahren lieb gewonnen haben – selbst den arroganten Boerne, der im neuen Fall besonders viele Sprüche klopfen darf („Als der Herrgott Talent regnen ließ, stand die Dame unter einem Schirm.“). „Alberichs“ (Christine Urspruch) Liebeserklärung an ihren Chef stimmt man lächelnd zu. Warum sie sich all die fiesen Sprüche von ihm gefallen lasse, will eine Kollegin wissen. Ihre Antwort: „Weil sich hinter dem Boerne’schen Dreiklang von Narzissmus, Chauvinismus und Sarkasmus ein feiner Mensch versteckt, den ich über die Jahre zu schätzen gelernt habe.“

„Was für ein Kindergarten!“, urteilt die eigentlich mit dem Fall betraute Beamtin Kröger (Banafshe Hourmazdi) über das Hin und Her von Boerne und Thiel, die sich in die Ermittlungen einmischen. Stimmt, aber ein Kindergarten, der auch Erwachsenen Spaß macht. Im 40. Film einmal mehr. Wen interessieren da noch Drehorte?

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