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Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ermitteln.

Vorab-Kritik ohne Spoiler

Tatort aus Weimar: Ein Märchen, das grandios scheitert

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München - Ein Mann wird vergiftet, hat nur noch 72 Stunden zu leben. In dieser Zeit muss der Mörder gefasst werden. Was als grandiose Idee im Tatort aus Weimar beginnt, scheitert leider ebenso grandios.

„Es war einmal in Weimar“: Schon im ersten Satz der Pressemitteilung macht der MDR unmissverständlich klar, um was es im neuen Tatort mit Christian Ulmen und Nora Tschirner gehen soll. Das klassische Märchen wird hier neu erzählt. Wir geben zu: Wir haben die Pressemitteilung erst gelesen, nachdem wir den Krimi gesehen haben. Vielleicht haben wir auch deswegen nicht verstanden, dass „Der scheidende Schupo“ ein „illustres Märchen um Rache, Liebe, Sühne und jede Menge schwerwiegende Entscheidungen“ sein soll, in dem der „schüchterne und oft gedisste Schutzpolizist Ludwig Maria Pohl, genannt Lupo, gegen die tödlichen Fesseln seines Schicksals“ kämpft.

Die Inhaltsbeschreibung des Regisseurs liest sich wirklich gut, keine Frage. „Wie im Märchen gibt es böse Schwestern, verschlagene Schurken, eine Kräuterhexe, natürlich eine Burg auf dem Berg und ein Dorf im Tal, wo die Schlote einer Fabrik vor sich hinrauchen.“ Das möchte jeder sehen. Leider ist es aber nicht das, was auf den Fernsehbildschirmen am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlt wird. „Der scheidende Schupo“ funktioniert nur in der Theorie.

Tatort heute aus Weimar: Mörderjagd ohne Leiche

Ludwig Maria Pohl (Arndt Schwering-Sohnrey) wurde mit Rizin vergiftet.

Praktisch macht es natürlich Spaß, Christian Ulmen (Kriminalkommissar Lessing) und Nora Tschirner (Kriminalkommissarin Kira Dorn) zuzuschauen. In seiner gewohnt trockenen Art antwortete Ulmen im Interview mit dem MDR auf die Frage, was das Besondere an diesem Tatort ist: „Neben Spannung (Mord) und Erotik (Kommissar Lessing) besticht unser Tatort mit professionellem Schauspiel. Wir sprechen laut und vor allem deutlich. Unsere Mimik und Gestik verraten: Da sind Schauspieler am Werk, die ihre Arbeit tun, die machen ihren Job, toll.“ Ein früherer Tatort mit den beiden Schauspielern musste jede Menge Kritik einstecken, weil Ulmen und Tschirner kaum zu verstehen waren, genuschelt haben. Das tun sie diesmal nicht. Man versteht alles. Aber nicht den Plot.

Und das ist schade, denn der Tatort beginnt stark: Auf Lupo wird zunächst ein Bombenanschlag verübt, den er knapp überlebt. Dann wird festgestellt, dass er mit Rizin vergiftet wurde. Dafür gibt es kein Gegengift, Lupo hat nur noch 72 Stunden zu leben. In dieser Zeit müssen Lessing und Dorn den Mörder finden. Was für eine tolle Idee: Es gibt (noch) keine Leiche im Tatort, und trotzdem gehen die Kommissare auf Mörderjagd. Das ist anders, das ist eine grandiose Idee - die sich aber irgendwann verliert.

Was haben die bösen Schwestern (mit dem Familienanwalt) mit der Sache zu tun?

Die Geschichte dreht sich um viel zu viele Charaktere, die gefühlt alle miteinander verwandt sind. Irgendwann sagt zum Beispiel eine der bösen Schwestern: „Ich bin schwanger. Du wirst Vater. Und vielleicht Onkel.“ Denn ihr Liebhaber könnte auch ihr Halbbruder sein. Ähh, wie bitte? Und das wird so flapsig in einem Satz erwähnt? Dann passiert schon wieder etwas anderes. Das passt zur Tonalität des Weimarer Tatorts, der von Anfang an ein bisschen anders erzählt wurde als andere Krimis der Reihe. Die Witze waren hintergründig, die Sprüche ausgefeilt. Das ist auch diesmal nicht anders. „Ich glaub‘, mein Mops tanzt Mambo“ sagt da zum Beispiel der Leiter des Kommissariats. Oder eine der bösen Schwestern antwortet, nachdem man ihr sagt, dass Lupo sterben wird: „Sagen Sie Herrn Pohl: Lebe wohl.“ Doch das alleine trägt den Tatort nicht. Der Film will zu sehr Märchen sein. Weil das aber nicht rüberkommt, passieren pseudo-lustige Zufälle. Die Sache mit der Windel-Entsorgung aus dem Kindergarten zum Beispiel und wie die am Ende zu des Rätsels Lösung beiträgt: Puh - da haben die Autoren wohl selbst zu viel Rizin geschluckt beim Schreiben.

Tatort heute aus Weimar: Bitte mal an „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“ orientieren

Auch der Schluss ist leider völlig misslungen. Ohne zu viel verraten zu wollen: In den gefeierten Serien „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“ gehört es dazu, dass die Publikumslieblinge sterben, meist völlig unerwartet. Was sich die Tatort-Macher für Weimar ausgedacht haben, sollte vielleicht auf das „Und wenn sie nicht gestorben sind...“ anspielen. Aber das klappt nur im Märchen.

Was raten wir Ihnen also? Den Tatort aus Weimar können Sie sich eigentlich schenken, da verpassen Sie nichts Wichtiges. Außer natürlich Christian Ulmen und Nora Tschirner. Die sind gut. Wie immer. Haben wir aber auch nicht anders erwartet, das waren sie schon vor Jahren bei MTV in der Show „Ulmens Auftrag“.

Tatort heute aus Weimar am Sonntag in der ARD

Der Tatort „Der scheidende Schupo“ läuft am Sonntag, 5. Februar, um 20.15 Uhr in der ARD und ist dann - wie immer - 30 Tage lang in der Mediathek abrufbar.

Tatort und Polizeiruf: Unsere früheren Kritiken

„Sturm“ (Tatort aus Dortmund), „Fangschuss“ (Tatort aus Münster), „Borowski und das dunkle Netz“ (Tatort aus Kiel), „Nachtsicht“ (Tatort aus Bremen), „Tanzmariechen“ (Tatort aus Köln), „Schock“ (Tatort aus Wien), „Wacht am Rhein“ (Köln-Tatort) „Klingelingeling“ (München-Tatort), „Dunkelfeld“ (Berlin-Tatort), „Sumpfgebiete“ (Polizeiruf München), „Es lebe der Tod“ (Wiesbaden-Tatort), „Taxi nach Leipzig“ (Jubiläumstatort, die 1000. Tatort-Folge), „Borowski und das verlorene Mädchen“ (Kiel-Tatort), „Echolot“ (Bremen-Tatort), „Die Wahrheit“ (München-Tatort), „Zahltag“ (Dortmund-Tatort), „Der König der Gosse“ (Dresden-Tatort), „Feierstunde“ (Tatort Münster mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl), „Wölfe“ (Polizeiruf mit Matthias Brandt), „Und vergib uns unsere Schuld“ (Polizeiruf mit Matthias Brandt), „Wir - Ihr - Sie“ (Berlin-Tatort), „Das Recht, sich zu sorgen“ (Franken-Tatort), „Fünf Minuten Himmel“ (Freiburg-Tatort), „Mia san jetz da wo's weh tut“ (Jubiläumsfall München-Tatort), „Ein Fuß kommt selten allein“ (Münster-Tatort), „Die Geschichte vom bösen Friedrich“ (Frankfurt-Tatort).

pak

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