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"Puppenspieler" in der ARD

"Tatort" Bremen: Inga und die kühlen Killer

Wie ein Schwedenkrimi kommt der neueste ARD-"Tatort" aus Bremen daher - dabei lassen die Macher von "Puppenspieler" den Zuschauer bis zum Ende im Unklaren. Lesen Sie hier die Kritik!

Sie spähen ihre Opfer aus, sie beschließen deren „Ausschaltung“ – der Rest läuft wie am Schnürchen. Autor Christian Jeltsch und Regisseur Florian Baxmeyer lassen den Zuschauer bis zum Ende im Unklaren, welche ebenso kühl wie exzessiv agierende Truppe mit der Anmutung einer Geheimpolizei da am Werk ist. Bilder und Schnitte wie aus einem Schwedenkrimi sind die eine Seite von „Puppenspieler“, dem neuesten ARD-„Tatort“ aus Bremen.

Die andere Seite, das ist die wackere Kriminalerschar um Inga Lürsen (Sabine Postel), die den Mord an einem Jugendlichen aufklären will und dabei schon bald höchste Kreise stört. Viele zu viel packen Jeltsch und Baxmeyer hinein in diesen Krimi um einen Richter mit Vorliebe für junge Mädchen, das große Geld, Umweltschutz und politische Intrigen. Dabei haben sie schon genug zu tun, die Erschütterungen im Kommissariat zu erzählen – Stedefreunds (Oliver Mommsen) Frust und das Auftauchen eines beamteten Teddybären namens Leo Uljanoff (Antoine Monot jr.).

Man schüttelt den Kopf über so viel Seife im Verhältnis der Ermittler untereinander (einschließlich unglaubwürdigem „One-Night-Stand“) und über die erschütternd hölzerne Inszenierung des Konfliktes zwischen zotteligen Aktivisten (mit Inga Lürsen mittendrin) und den bösen Investoren, die sich in die Weser graben wollen. Und fragt sich, ob es wohl möglich ist, dass ohne Weisung von höherer Stelle und ohne sich zu legitimieren eine BKA-Beamtin (Katja Danowski) mal eben die Ermittlungen an sich ziehen kann.

Alle "Tatort"-Kritiken lesen Sie hier!

Dass dieser Film trotzdem über weite Strecken fesselt, hat mit dem Thrill zu tun, den die gut geölte Killermaschinerie immer wieder erzeugt. Die kleine Zeugin (abseits des üblichen Rollentypus: Jella Haase) in permanenter Gefahr, der Jurist (beeindruckend präsent: Christoph M. Ohrt) im aussichtlosen Kampf, seinen Ruf zu retten – da schaut man gerne zu. Und denkt besser nicht darüber nach, an welcher „Realität“ die Macher da wohl Maß genommen haben.

Rudolf Ogiermann

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