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Hassan Nidal ist „Anführer“ eines kriminellen Clans. (v.l.: Hassan Nidal (Dar Salim), Mesut „Sunny“ Sömnez (Matthias Weidenhöfer), Mo Nidal (Hassan Akkouch))

„Brüder“

So war der Tatort aus Bremen: TV-Kritik

Bremen - Mit einem unguten Gefühl entließ einen der Bremer „Tatort“ (ARD) mit dem Titel „Brüder“ in die Nacht. Nicht weil die Handlung abstrus oder die Leistung der Darsteller schwach gewesen wären. Im Gegenteil.

Es ist das Ende, das irritiert. Die Kommissare Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) müssen kapitulieren vor der Übermacht der Nidals, einer arabischen Großfamilie mit mafiösen Zügen. Bitter zudem die Befürchtung, dass letztlich auch deren Sohn Mesut (Matthias Weidenhöfer), der sich früh losgesagt hatte vom Clan, wieder in dessen Sog gerät.

Mesut ist ein Schulfreund des Polizisten David Förster (Christoph Letkowski), der den stadtbekannten Nidals auf Streife in die Quere kommt. Davids Kollegin wird zu Tode geprügelt, die anderen auf der Wache stempeln ihn als Feigling ab und verstoßen ihn. Nun sucht David Hilfe bei Mesut, dessen Bruder Hassan – eindrucksvoll gespielt von Dar Salim – den Clan anführt.

Der Parallelplot zur eigentlichen Krimihandlung ist es, der Florian Baxmeyers „Tatort“ eine besondere Note verpasst. Wie geht man um mit einer kriminellen Familie mit ausländischen Wurzeln, die ihre eigenen Gesetze schreibt, die Staatsgewalt verhöhnt und angreift? Ein brisantes Thema, das verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, nachdem bekannt wurde wie nah der umstrittene Rapper Bushido dem Berliner Abou-Chaker-Clan steht.

In „Brüder“ gelingt es den Autoren Wilfried Huismann und Dagmar Gabriel, ohne plakative Schwarz-Weiß-Malerei auszukommen. Sicherlich hätte man den Nidal-Clan noch schärfer zeichnen können. Doch die Zerrissenheit und Ohnmacht auf allen Seiten ist fühlbar bis zur letzten Szene. Deshalb: ein gelungener Balanceakt.

Stefanie Backs

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