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Im Bremen-Tatort „Nachtsicht“ hat der Mörder eine ungewöhnliche Waffe: seinen Wagen.

TV-Vorab-Kritik des Falls „Nachtsicht“

Im dramatischen Bremen-Tatort ist heute ein Auto die Waffe 

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Bremen - Der Bremen-Tatort bekommt von uns meist durchschnittliche, eher schlechte Kritiken. Unsere Autorin rechnete fest mit einem miesen Drehbuch - doch schon von den ersten Szenen an, war ihr klar: Dieser Fall von heute ist stark.

Der Bremen-Tatort beginnt mit Bildern, die an eine Werbung für Autowäsche erinnern. Scheinwerfer werden eingeschäumt, die Motorhaube, es läuft Musik – „Ich öffne mich“ von Tocotronic. Als der Schwamm in den Eimer getaucht und ausgewrungen wird, färbt sich das Wasser rot. Blut. Kurzzeitig vermuten Zuschauer wohl, der Fahrer habe ein Tier überrollt. Der Szenenwechsel bringt Klarheit: Ein Mensch wurde nachts überfahren und auf der Straße liegen gelassen. Kein Notruf. Die Kommissare Inga Lürsen und Nils Stedefreund halten sich würgend die Hände vor den Mund, als sie die Leiche sehen. Später nach der Obduktion erfahren sie, dass der Wagen den jungen Mann viermal überfahren hat – „mit voller Absicht“, wie der Gerichtsmediziner sagt. Er habe schon viel gesehen, sagt er entschuldigend, sogar Schlimmeres, und dennoch übergibt er sich ins Spülbecken. Den ARD-Zuschauern bleiben die grauenvollen Bilder erspart. 

Angela Roy und Rainer Bock, die das Ehepaar Friedland spielen, haben sehr starke Szenen im Tatort „Nachtsicht“. 

Am Tatort hat die Kriminalpolizei ein Prepaid-Handy gefunden. Es gehört Kristian Friedland (Moritz Führmann, eine gute Besetzung für die Rolle!). Noch bevor Lürsen und Stedefreund dem Anfang-40-Jährigen im Präsidium entscheidende Fragen stellen, platzt dessen Vater herein, Jost Friedland (Rainer Bock). Er redet mit Kristian wie mit einem Achtjährigen und versichert den Ermittlern, sein Sohn hätte um 23 Uhr im Bett gelegen, wie jeden Abend. Angeblich habe die Polizei mehrfach in der Vergangenheit versucht, seinem Sohn etwas anzuhängen, er kenne die Rechte seines Kindes. 

Er und sein Sohn lassen die Kommissare ratlos zurück. Rainer Bock spielt seine Rolle bravourös: der bedingungslos liebende Vater und Ehemann. Er und seine kranke, stille Frau Leonie (Angela Roy) – sie hat ein Bein verloren und den Brustkrebs noch nicht besiegt – sprechen von Kristian immer als „Unser Großer“. Eigenartig.

Bremen-Tatort heute ist Psychothriller und Familiendrama

Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) und Linda Selb vom BKA (Luise Wolfram) sind ineinander verliebt.

Ein weiterer Mord passiert, wieder liegt ein junger Mann tot auf der Straße, zerquetscht von einem Auto, von dem jede Spur fehlt. Das Auto war dem Mofa-Fahrer beinahe geräuschlos (dieser Wagen muss präpariert sein), mit ausgeschaltetem Licht gefolgt. Als der Wagen ganz dich bei ihm ist, leuchten die Scheinwerfer grell auf. Eine beängstigende Szene. Dieses Auto ist eine Waffe.

Der zweite Mord deute auf einen Serienmörder hin, glaubt Stedefreund. Die Kollegin vom Bundeskriminalamt, Linda Selb (Luise Wolfram), meint: „Wäre doch cool, oder?“ und schaut Stedefreund vielsagend an. Zwischen den beiden ist irgendwas, als Zuschauer weiß man nur noch nicht genau was. 

Kristian Friedland ist verdächtig (Moritz Führmann).

Lürsen und Stedefreund glauben, dass Kristian Friedland dahintersteckt. Doch die Familie beschützt ihn. Der Psychothriller „Nachtsicht“ entwickelt sich parallel zu einem Familiendrama. Das ist das, was diesen Tatort-Fall ausmacht (hier gelangen Sie zur Tatort-Themenseite). Er porträtiert eine Familie, die sich krampfhaft als eine Familie inszeniert, in der alles in bester Ordnung ist. Inhaltlich soll an dieser Stelle im Gegensatz zu TV-Kritiken anderer Nachrichtenportale nicht mehr verraten werden, damit Sie sich beim Tatort-Schauen noch gruseln werden. 

Das Drehbuch ist stark, anders als frühere Fälle wie etwa „Echolot“, der vier taktische Fehler machte. Die Autoren Matthias Tuchmann und Stefanie Veith schrieben schon den Bremer Fall „Die Wiederkehr“, den wir in unserer TV-Kritik vor zwei Jahren als „beeindruckend“ beschrieben

2019 hören die Schauspieler Oliver Mommsen und Sabine Postel als Bremer Tatort-Ermittler auf

Sabine Postel und Oliver Mommsen haben über ihren Fernsehsender Radio Bremen ankündigen lassen, dass sie im Jahr 2019 als Bremer Tatort-Kommissare aussteigen werden. Seit es den Bremen-Tatort gibt - also seit 1997 -, spielt Postel Inga Lürsen. Mommsen stieg erst später ein, 2001. Radio Bremen betont, dass der Bremen-Tatort auch nach 2019 fortgesetzt werde.

So sehen Sie den Bremen-Tatort heute, auch wenn Sie ihn am Sonntag um 20.15 Uhr verpassen

Der Fall „Nachtsicht“ läuft - natürlich - am Sonntagabend, 12. März, um 20.15 Uhr im Ersten. Danach können Sie ihn in der ARD-Mediathek ansehen, wo er erst nach 30 Tagen gelöscht wird

Einige frühere TV-Kritiken zu Fällen der Tatort- und Polizeiruf-110-Reihe

„Sturm“ (Tatort aus Dortmund), „Fangschuss“ (Tatort aus Münster), „Borowski und das dunkle Netz“ (Tatort aus Kiel), „Tanzmariechen“ (Köln-Tatort), „Dünnes Eis“ (Polizeiruf aus Magdeburg), „Der scheidende Schupo“ (Tatort aus Weimar), „Schock“ (Tatort aus Wien), „Wacht am Rhein“ (Köln-Tatort) „Klingelingeling“ (München-Tatort), „Dunkelfeld“ (Berlin-Tatort), „Sumpfgebiete“ (Polizeiruf München), „Es lebe der Tod“ (Wiesbaden-Tatort), „Taxi nach Leipzig“ (Jubiläumstatort, die 1000. Tatort-Folge), „Borowski und das verlorene Mädchen“ (Kiel-Tatort), „Echolot“ (Bremen-Tatort), „Die Wahrheit“ (München-Tatort), „Zahltag“ (Dortmund-Tatort), „Der König der Gosse“ (Dresden-Tatort).

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