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Oliver Mommsen (r.) spielt Hauptkommissar Stedefreund, Sabine Postel Haupkommissarin Inga Lürsen im Bremer Tatort.

Zu simple Dramaturgie

Tatort Bremen: Eine Müll-Seifenoper

München -  Kriminelle Machenschaften rund um die Müllentsorgung waren das Thema des jüngsten Bremer "Tatorts". Hier lesen Sie die Kritik.

Sie schauen finster, trinken viel, und auf ihren muskulösen Körpern prangen großflächige Tattoos. Echte Kerle sind das, für die Gemeinschaft alles ist und Verrat das größte Verbrechen. Die Macher des jüngsten Bremer „Tatort“ (ARD) haben kriminelle Machenschaften rund um die Müllentsorgung zum Thema erkoren und dazu ein recht künstliches Milieu geschaffen.

 Hier sind alle irgendwie miteinander verbandelt, tagsüber werden die Tonnen geleert, den Rest der Zeit wohnt man Tür an Tür oder gar unter einem Dach – eine Seifenoper in Orange. Ex-Knackis als Müllmänner, auf Gedeih und Verderb aneinander gekettet – bei diesem Gruppenbild haben sich die Autoren Erol Yesilkaya, Boris Dennulat und Matthias Tuchmann die Feinzeichnung der Figuren geschenkt.

Böse im Film leicht identifizierbar

Deshalb erkennt man die Bösen in diesem Film schnell – den Bewährungshelfer im schmuddeligen Trenchcoat, der über Leichen geht (Roeland Wiesnekker), und die beiden Unternehmer in den gut sitzenden Anzügen (Patrick von Blume und Bernd Stegemann), die mit viel Abfall viel Geld verdienen wollen. So muss der sensible Sascha (Jacob Matschenz) die Handlung vorantreiben, aber Regisseur Florian Baxmeyer lässt seinen wütenden Helden nur immer unverständlich schnauben und schluchzen, was auf die Dauer ermüdet.

Dieser Krimi sollte ein Stück werden über Menschen, deren Existenz von den krummen Geschäften der Bosse abhängt. Doch Autoren und Regie scheitern an der allzu simplen Dramaturgie, an standardisierten Dialogen mit und ohne Worte, die sich schon bald stapeln wie gelbe Säcke am Straßenrand.

Diese Monotonie infiziert mehr und mehr auch die Kommissare, vor allem Inga Lürsen (Sabine Postel), deren Larmoyanz im Allgemeinen und deren Selbstanklage angesichts der geklauten Dienstwaffe im Besonderen ziemlich angestrengt wirken.

Rudof Ogiermann

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