+
Im Dauerclinch: Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann).

TV-Kritik

Dortmunder "Tatort": Beklemmend authentisch

Dortmund - Hier stimmte alles: Beim dritten Dortmunder "Tatort" haben die Macher in jeder Hinsicht überzeugt. Beklemmend authentisch gefilmt, mit überzeugenden Darstellern bis in die Nebenrollen besetzt - lesen Sie hier unsere Kritik!

Am vergangenen Sonntag bestimmte eine klischeehafte Kleine-Leute-Romantik das Umfeld von „Schimanski“ – kaum zu glauben, dass der Autor von „Loverboy“, Jürgen Werner, auch das Drehbuch zum gestern Abend ausgestrahlten dritten Fall der Dortmunder „Tatort“-Kommissare schrieb. Denn hier stimmt plötzlich alles. Ein einziger Schwenk auf das triste Hochhaus, ein einziger Blick in die Wohnung und in die Gesichter von Nadines Eltern (Jule Böwe und Markus John) – und sofort wird nachvollziehbar, warum die 16-Jährige dieser ärmlichen Welt entfliehen und mit den jungen Reichen der Stadt den permanenten Rausch erleben wollte (Kamera: Ralf Noack).

Mädchen, die auf Teufel komm ’raus gefallen wollen, Burschen, deren Lebensinhalt das Feiern und die „Hasenjagd“ zu sein scheinen – beklemmend authentisch wirkt das Milieu, das Autor Werner und Regisseur Andreas Herzog hier ins Szene setzen. „Eine andere Welt“ überzeugt durch eine genaue Figurenzeichnung, auch in den Nebenrollen wie der des jungen Tarek (Hassan Akkouch), der den Nachtclub mit dem notwendigen Stoff versorgt.

Monaco Franze & Knight Rider: Diese Serien sind Kult!

Monaco Franze & Knight Rider: Diese Serien sind Kult!

Man sieht den Ermittlern – hier Peter Faber und Martina Bönisch (Jörg Hartmann und Anna Schudt), da Nora Dalay und Daniel Kossik (Aylin Tezel und Stefan Konarske) – gerne dabei zu, wie sie sich auf ganz unterschiedliche Weise der Aufklärung des Mordes entgegenarbeiten, in einem spannenden Wechsel aus Entschlossenheit und Empathie. Dass dabei Handybilder und -videos der Beteiligten eine große Rolle spielen, ist wohl nicht länger Krimimacherprosa, sondern Realität in einer Welt, in der jeder Lebensmoment sofort „gepostet“ werden muss.

Doch nicht nur der Fall an sich ist gut erzählt, auch die Charaktere des Dortmunder Quartetts sind (jedenfalls bis auf Weiteres) abendfüllend. Selten hat man Anna Schudt so gut gesehen wie hier als toughe Beinahe-Chefin, auch Tezel und Konarske sind weitaus präsenter als beispielsweise die Erfurter Debütanten. Jörg Hartmann jedoch ist die eigentliche Sensation. Wohl selten zuvor hat ein Kriminaler sein Publikum so polarisiert.

Wie der Schauspieler seinen Peter Faber, der Frau und Kind verloren hat, in einen permanenten Wechsel aus Depression und Gewaltausbrüchen stürzt, ist sehenswert. Dass man darüber immer wieder die Fäuste ballt und den ganzen Film über mit seiner sofortigen Ablösung rechnet, ist kein schlechter Nebeneffekt dieser „Tatort“-Episode. Man darf gespannt sein, wie das weitergeht.

Rudolf Ogiermann

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

"Alles was zählt": Das ist der geheimnisvolle Neue in der RTL-Soap
Er ist der Neue bei "Alles was zählt" (RTL): Freestyle-Skater Moritz "Mo" Brunner. Gespielt wird er von einem Schauspieler, der vielen bekannt vorkommen dürfte.
"Alles was zählt": Das ist der geheimnisvolle Neue in der RTL-Soap
„Das Sommerhaus der Stars“ 2018: Wer ist raus? Und wer ist noch dabei?
Das „Sommerhaus der Stars“ 2018: Am Montag lief bei RTL die zweite Folge. Wer ist raus? Wer ist noch dabei? Der große Überblick.
„Das Sommerhaus der Stars“ 2018: Wer ist raus? Und wer ist noch dabei?
Psychologin untersucht Beziehungen der „Tatort“-Ermittler - und macht verblüffende Erkenntnisse
Sie jagen Verbrecher, klären Morde auf und verbringen nicht selten Tag und Nacht auf dem Revier. Doch wer wartet eigentlich auf die Tatort-Kommissare, wenn sie nach …
Psychologin untersucht Beziehungen der „Tatort“-Ermittler - und macht verblüffende Erkenntnisse
Sommerhaus der Stars 2018: Jens Büchner und seine Frau Daniela ziehen ein
Nach dem Dschungelcamp kommt nun das Sommerhaus der Stars 2018. Hier erfahren Sie, was Sie über Malle-Jens und seine Daniela unbedingt wissen müssen.
Sommerhaus der Stars 2018: Jens Büchner und seine Frau Daniela ziehen ein

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.