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Wagt ihren ersten Fallschirmsprung: Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) sitzt mit Jules Lanke (Albrecht Schuch), einem Freund des Opfers, im Flugzeug.

Kritik zum ARD-Krimi

Tatort aus Dortmund: Starke Bilder und kein Wort zu viel

München - Irgendetwas ist anders bei diesem Tatort aus Dortmund: Der schroffe Kommissar Faber ist auf Gefühlskurs in diesem ARD-Krimi. Kurze Gewöhnung, dann großer Genuss. Die Kritik.

Etwas ist anders, der Hund beißt nicht. Im Universum der Dortmunder Ermittler ist das ein heftiger Bruch. Kommissar Faber (Jörg Hartmann), der Pitbull ausm Pott, der Schimanski mit Lockenkopf, ist zum Kümmerer mutiert. Martin, der achtjährige Sohn des Opfers, rührt seine geschundene, heiser kläffende Seele. Man muss sich kurz gewöhnen, doch dann funktioniert der Gefühlskurs über weite Strecken des neuen „Tatorts“ mit dem Titel „Schwerelos“ ziemlich gut.

Dabei wirkt das Thema einigermaßen flach: Dass ein junger Erfolgstyp beim Sprung von hohen Gebäuden den Kick sucht, um sich in all der erschufteten Beschaulichkeit lebendig zu fühlen, ist in einigen Variationen schon dagewesen. Dass der Kicksucher stirbt ebenfalls. Aber schnell wird klar, dass das alles nur ein Vorwand ist – und es in diesem Film eigentlich um Bewältigung geht.

Die junge Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) verarbeitet die Abtreibung ihres Kindes, ihr Liebhaber/Kollege Stefan Konarske (Daniel Kossik) muss das Ende der Beziehung verdauen. Und Faber lindert sein eigenes Familien-Trauma, indem er sich um die Hinterbliebenen des „Basejumpers“ kümmert. Einmal befreit er den völlig überforderten Martin vom Sterbebett seines Vaters, dem Zuschauer zieht’s die Knie weg. So intensiv, so ergreifend kann Tatort sein.

Man kann Drehbuchautor Ben Braeunlich den Vorwurf machen, dass er den Fall bei all den persönlichen Dramen zu sehr aus dem Auge verliert. Dass Fabers Kollegin Bönisch (Anna Schudt) fieberhaft nach ihrem verschwundenen Sohn sucht, passt ins Bild – wirkt jedoch wie der allzu bemühte Versuch, sie auch irgendwie mitleiden zu lassen. Aber davon abgesehen, hat der Fall (Regie: Züli Aladag) seine Berechtigung.

Zu den Stärken des Dortmunder „Tatorts“ gehört es eben auch, die Geschichten seiner Protagonisten weiter zu erzählen. In „Schwerelos“ passiert das ohne ein überflüssiges Wort, mit starken Bildern und vor dieser herrlichen Dortmunder Maloche-Kulisse rostiger Fabrikhallen. Bei so viel Stimmung muss der Pitbull nicht immer kläffen.

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