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Schräge Sache: Michael Kausch, Eva Mattes und Constanze Weinig (v.l.).

Tatort: Eine Nummer zu klein für Agatha Christie

Konstanz - Seltsames Personal bevölkert den neuesten „Tatort“ (ARD) in Konstanz. Die Geschichte soll schräg sein, doch man fühlt sich bei "Das schwarze Haus“ an Agatha Christie erinnert. Eine Kritik:

Ein alternder Maler, der sich nach jungem Fleisch sehnt, eine unglücklich verliebte lesbische Galeristin, ein erfolgloser Komponist, ein Starschriftsteller mit Schreibhemmung und ein anderer, dessen Werk erst gar nicht zur Kenntnis genommen wird – ein seltsames Personal bevölkert den neuesten „Tatort“ (ARD) in Konstanz.

Schräg soll sie sein, die Geschichte eines Künstlerkollektivs am Bodensee, das dezimiert wird. Man fühlt sich bei „Das schwarze Haus“ an Agatha Christie erinnert, wenn sich Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) und ihr Assistent Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) durch den Fall knobeln. Einziges Licht im Dunkel scheinen die Bücher des Krimiautors Ruben Rath (Hannes Jaenicke) zu sein, in denen die Tötungsarten literarisch vorweggenommen werden. „Irgendwas Furchtbares tobt sich hier aus“, ahnt Perlmann beizeiten.

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Autor und Regisseur Thomas Bohn nutzt jedoch die Chance nicht, aus diesem Stoff einen schönen, runden, versponnenen Krimi zu machen, weil er sich nicht entscheiden kann zwischen Komödie und Thriller. So bleiben seine Protagonisten auf der Strecke – und mit ihnen die Schauspieler. Weder das Motiv des Verhältnisses zwischen Ruben Rath und seinem autistischen Sohn Ferry, noch das des verkannten Genies (Michael Kausch als Verlierer par excellence Peter Jeschke) sind triftig genug, den Zuschauer zu überzeugen. Andererseits hält sich auch der Witz in Grenzen. Nur einzelne Szenen und Dialoge („Wo ist der Tote?“ – Da, da und da!“) lassen erahnen, was aus diesem Plot hätte werden können, wenn sich alle Beteiligten getraut hätten. Agatha Christie ist doch noch eine Klasse für sich.

Rudolf Ogiermann

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