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Die neuen Ermittler: Henry Funck (Friedrich Mücke, l.) und Maik Schaffert (Benjamin Kramme) haben Praktikantin Johanna Grewel (Alina Levshin) an ihrer Seite.ard

So war der Sonntags-Krimi

„Tatort“: Laues Lüftchen statt frischer Brise

Erfurt - Der erste „Tatort“ aus Erfurt fängt rasant an, landet letztlich aber im altbekannten Fahrwasser. Der frische Wind, den die Macher vorab versprachen, wird zur lauen Sonntagabend-Brise.

Die Ermittler Henry Funck (Friedrich Mücke) und Maik Schaffert (Benjamin Kramme) stellen in den ersten Minuten im Alleingang einen mehrfachen Frauenmörder, den Schaffert nach einer Verfolgungsjagd mit einem Schuss ins Bein ausschaltet. Dem Duo wird Praktikantin Johanna Grewel (Alina Levshin) zugeteilt, die Staatsanwältin werden möchte und vor allem Funck mit ihrer Besserwisserei auf die Nerven geht. Als eine weitere Frauenleiche gefunden wird, bekommt der Fall eine Wendung – ein Trittbrettfahrer war am Werk. Die ermordete Studentin arbeitete für einen Escort-Service, in ihrem Umfeld floss zusätzlich Geld aus unter der Hand verkauften Medikamenten an der Uni.

Dass am Ende deren Mitbewohnerin die Täterin ist, überrascht nicht wirklich. Dass zwischendurch der festgenommene Frauenmörder aus der Klinik türmt, um mit einem Maschinengewehr bei Kommissar Schaffert aufzutauchen, wirkt konstruiert.

Regisseur und Drehbuchautor Thomas Bohn arbeitet sich in „Kalter Engel“ an den typischen Merkmalen des Sonntagskrimis ab: ein bisschen Gesellschaftskritik hier, ein bisschen Verbrechen da und zwischendurch bemüht er sich, die jungen Ermittler auch jung in Szene zu setzen. Ob mit umgangssprachlichen Floskeln („Alter!“, „Die hat nen geilen Arsch.“), einem Büro-Kühlschrank voller Energy-Drink-Dosen oder eben Ermittlungen im Studenten-Milieu.

Levshin (29), Kramme (31) und Mücke (32) machen jedenfalls Lust auf mehr. „Lasst die Kinders doch mal machen. Die können das“, will man den Verantwortlich beim MDR am liebsten zurufen, die beim Debüt des Trios die schauspielerischen Grenzen eng gesteckt hatten. Bleibt zu hoffen, dass den Neulingen in der nächsten Folge Raum gegeben wird. Das Potenzial haben sie allemal.

Stefanie Backs

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