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Wir sind die Neuen: Die Ermittler Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, v. l.), Felix Voss (Fabian Hinrichs), Michael Schatz (Matthias Egersdörfer, sitzend v. l.), Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt) und Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid, r. stehend) betrachten zusammen mit anderen Kollegen Bilder vom Tatort

TV-Kritik

Erster Franken-"Tatort": Vieles ist unausgegoren

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Er ist mit Spannung erwartet worden: Am Sonntagabend flimmerte der erste „Tatort“ aus Franken in der ARD über die Bildschirme. Wir finden: Solide Krimi-Kost ohne Revoluzzer-Ansprüche. Die TV-Kritik.

„Wir sind hier in Nürnberg“ – gleich mehrmals wird demonstrativ der Ort des Geschehens genannt und auf die große Geschichte der alten Reichsstadt verwiesen. Das muss wohl so sein, wenn ein neuer „Tatort“-Standort etabliert werden soll, und ohne ein wenig Spott gegenüber dem fernen München geht es hier auch nicht ab. Schließlich gilt es für den Bayerischen Rundfunk (BR), Wiedergutmachung zu leisten dafür, dass man jahrzehntelang auf die Landeshauptstadt als einzigem Krimischauplatz gesetzt hat.

Nach der Sichtung dieses Debüts aus der fränkischen Metropole muss man allerdings konstatieren, dass der „Tatort“ (ARD) sicher nicht in Nürnberg (neu) erfunden wurde. Zu zerklüftet ist der Plot, den Max Färberböck (auch Regie) und Catharina Schuchmann entwickelt haben, zu unentschieden zwischen Beziehungstragödie, Thriller und Komödie. „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ – der sperrige, poetisch tönende Titel scheint beispielhaft zu stehen für dieses mit ordentlich PR-Getöse geschaffene Werk.

Viel zu viel Raum nimmt die Vorstellung des Personals ein, in Dialogen, die hier und da an Seifenopern erinnern, werden die Akteure einander und dem Publikum bekannt gemacht. Akzente setzen kann neben dem grandiosen Matthias Egersdörfer als Spurensicherer jedoch zunächst allein Dagmar Manzel alias Paula Ringelhahn als taffe, zu jedem Streit bereite Kommissarin mit schwachen Momenten. Wo die Reise für Fabian Hinrichs als Neu-Nürnberger Felix Voss hingeht, ist dagegen nach dem ersten Fall noch völlig unklar. Mal forsch, dann wieder unsicher und verlegen wirkend – Hinrichs, dessen Kriminaler sich am Anfang noch wie ein Austauschschüler am Hauptbahnhof abholen lassen will und am Ende durch die Stadt rast, als lebe er seit seiner Kindheit hier, wirkt in seiner Rolle alleingelassen von Buch und Regie. Und nicht nur er, auch die beiden jungen Assistenten (Eli Wasserscheid und Andreas Leopold Schadt) ringen um Profil.

Nicht zu Ende Gedachtes auch beim Fall selbst. Zwar finden Färberböck und sein Kameramann Felix Kramer schöne Sequenzen der nächtlichen Stadt und der Natur, in der das die Ermittlungen auslösende, tödliche Schäferstündchen stattgefunden hat, doch die ambitionierte Optik kann die Unausgegorenheit des Buches nicht kaschieren. Die Autoren gehen nicht nahe genug heran an das Eifersuchtsdrama unter Nachbarn, lenken die Blicke stattdessen recht vordergründig auf eine obskure militärische Forschung, in die das Mordopfer involviert war – ein durchsichtiger Versuch, den Kreis der Verdächtigen zu erweitern und dem Film eine politische Note zu geben.

Am Ende kommt der Täter (Dennis Mojen als Tommy Buchwaldt) aus dem Nichts, sein Motiv ist nur Behauptung. Vielleicht wäre es besser gewesen, vor allem diese Geschichte einer Obsession zu erzählen, einer Amour fou zwischen einem Schüler und einer erwachsenen (Ehe-) Frau und Mutter – selbst wenn sich der Mörder dem Zuschauer dadurch schon deutlich früher offenbart hätte. So bleibt von diesem ersten Franken-„Tatort“ der Eindruck zurück, dass die Macher viel gewollt und wenig geschafft haben. Auf Dauer wird man damit den Münchnern nicht das Wasser reichen können.

Rudolf Ogiermann

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