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Sein letzter Fall: Hauptkommissar Frank Steier (Joachim Król).

Frankfurter Ermittler wird uns fehlen

Króls letzter Tatort: Ein Traum von Abschied

München - Dieser tieftraurige Trinker, dieser Tatort mit Qualitätsgarantie, er wird uns fehlen. Joachim Król macht uns mit seinem letzten Film aus der ARD-Reihe den Abschied so richtig schwer.

Erstaunlich, wie unterschiedlich Abschiede sein können. Während man das langsame Sterben des Leipziger „Tatorts“ nur noch mit viel Bier und sehr vielen Botox-Witzen übersteht, ist der Abgang des Frankfurter Allein-Ermittlers Frank Steier (Joachim Król) schmerzhaft. Für ihn, weil in seinem letzten Fall die Hölle über ihn hereinbricht. Für den Zuschauer, weil er in jeder Sekunde merkt, wie dieser melancholische, tieftraurige Trinker fehlen wird. Man möchte ihn am Ärmel packen und sagen: „Bitte, sauf’ noch ein bisschen weiter für uns.“ Andererseits ist „Das Haus am Ende der Straße“ ein Traum von einem Abschied.

Wie immer darf Steier viel zu tief ins Glas schauen, aber die Last, die er zu tragen hat, hat nie schwerer gewogen: Diesmal muss er Schuldgefühle – wegen eines toten Mädchens – und Rachelust – gegen dessen Mörder Nico (Maik Rogge) – bewältigen. Steier wird mit sich selbst konfrontiert, wie jeder im Laufe der 90 Minuten; das sorgt für inhaltliche Wenden en masse. Kaum eine Situation, in der nicht ein Trugbild zerspringt, eine Maske fällt: Der kaputte Ex-Polizist Ralf Poller (Armin Rohde) wird vom Zeugen zum Täter, Nico beinahe zum Brudermörder. Das alles geschieht in der banalen Düsternis eines Einfamilienhauses, in dem am Ende nur noch eine Maxime gilt: „Ein Leben für ein Leben“ – und so bricht dieser „Tatort“ mit großer existenzieller Wucht über den Sonntagabend herein.

Tatort Frankfurt: Großartiges Spiel mit Genres

Das ist dem großartigen Duo Król und Rohde zu verdanken, aber vor allem dem starken Drehbuch von Erol Yesilkaya – und Michael Proehl. Der hat zuletzt den Knaller-„Tatort“ mit dem Titel „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur geschrieben. Kein Wunder, dass auch dieser Frankfurter Fall mit den Genres spielt – vom Thriller über Horror bis zum Rachefilm. Im Hintergrund ertönen dann Lieder aus dem Spätwestern „True Grit“ der Coen-Brüder. Und als Poller sich umbringen will, winselt Elliott Smith ein Lied, jener Musiker, von dem es heißt, er habe sich mit einem Messer getötet. Hier passt alles zusammen, jeder Moment ist intensiv, kein Bild verschenkt, kein Satz umsonst.

Und dann ist da noch Steier, der wie alle anderen versucht, wieder „Held im eigenen Film“ zu werden. Die herrliche Pointe: Er fällt tiefer als jeder andere in diesem Film, geht beinahe im Suff unter. Aber er ist auch der einzige, der seinen Kampf gewinnt. Der ewig launige Kommissar macht seinen Frieden mit sich und der Welt und sorgt sogar für Gerechtigkeit. Aus dem traurigen Trinker ist ein Held im eigenen Film geworden. Nicht übertrieben: Ein großer, schmerzhafter „Tatort“-Abgang.

Marcus Mäckler

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