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Verletzt am Boden liegt Hauptkommissar Nick Tschiller (Til Schweiger). Seine Kollegin Ines Kallwey (Britta Hammelstein) versucht, Hilfe zu holen.

Tatort-Kritik

Til Schweiger als beamteter Rambo

Hamburg  - Im Hamburger Tatort  "Kopfgeld" kämpft sich Til Schweiger als Kommissar Nick Tschiller durch die Hansestadt - und wird selber gejagt.

„Wenn wir immer klein beigeben, dann machen die immer weiter, dann wird sich nie was ändern“, erläutert der Polizist seiner Tochter seinen Job. „Die Justiz ist nicht wehrlos“, droht die junge, gutaussehende Staatsanwältin, ihre Worte werden via TV auch im Knast gehört. Es sind Sätze wie diese, die den permanenten (Nah-)Kampf ab und zu theoretisch untermauern, Sätze, die die Handlungsanweisung liefern zum konkreten „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, das sich hier neunzig Minuten lang vor den Augen des Zuschauers abspielt.

Übliche Rituale haben Pause 

Til Schweiger ist wieder am „Tatort“ (ARD), und das bedeutet, dass die üblichen Rituale Pause haben – keine Visite in der Pathologie, keine Zeugenbefragungen, kein Roulette der Tatverdächtigen. Die Macher, Christoph Darnstädt (Buch) und Christian Alvart (Regie), setzen mit „Kopfgeld“ fort, was in „Willkommen in Hamburg“ begann. Und diesmal ist die Geschichte dramaturgisch noch besser gebaut, denn diesmal ist der Held nicht nur Jäger, sondern auch Gejagter. Nick Tschiller hat sich mit dem organisierten Verbrechen angelegt, mit dem mächtigen Clan der Astans, der mitten in Deutschland nach seinen eigenen Gesetzen lebt. Clanchef Firat Astan (Erdal Yildiz) will Rache für tote und schwerverletzte Mitglieder, deshalb beginnt diese Episode mit einem Anschlag auf den Ermittler, er löst eine Welle von Gewalt und Gegengewalt aus – bis zum finalen Flammeninferno.

Alvart inszeniert Tschiller hemmungslos und mit wenig Ironie als Kämpfer für das Gute, als beamteten Rambo mit der Lizenz, hart hinzulangen (und der Fähigkeit, einzustecken). Dass sich hier obendrein zwei Clans untereinander bekriegen, erleichtert das erzählerische Geschäft, es gibt insgesamt 19 Leichen, überwiegend namen- und gesichtslos. Subtilität ist nicht angesagt – wo vor zwei Wochen im thematisch sehr ähnlichen Bremer „Tatort“ ein Richter „nur“ bedroht wurde, wird die mutige Staatsanwältin (Edita Malovcic) hier halbtot geschlagen – ein Grund mehr für Tschiller, der mit dem Opfer, nun ja, liiert ist, keine Gnade zu kennen.

Schießereien und Schlägereien in höchste Qualität

 Nichts wäre peinlicher, als bei einem solchen Sujet an Geld, Ideen und hervorragenden Schauspielern (ausgenommen Luna Schweiger als Tochter Lenny) zu sparen, und so lassen es Darnstädt und Alvart diesbezüglich an nichts fehlen, sie bieten Schießereien und Schlägereien in höchster Qualität, zeigen nur zu gern die „Weicheier“ im Umfeld des Clanchefs (wunderbar Hannes Hellmann als schmieriger Anwalt) – und loten die Grenzen aus zwischen gesellschaftskritisch gemeintem Thriller und Propagandafilm. Mit der Instrumentalisierung eines 13-Jährigen als potenziellem Killer und den „Unkraut“-Reden des frustrierten Drogenfahnders (Ralph Herforth) wird die Grenze auch einmal überschritten. Zum Glück gibt’s Fahri Yardim, der als Nicks treuer Partner Yalcin Gümer ein ums andere Mal mit herrlich schnoddrigem Ton rechtsstaatliches Handeln einfordert.

Keine Frage, auch der zweite Til-Schweiger-„Tatort“ ist saft- und kraftvolle, spannende Unterhaltung, doch was seine „Botschaft“ angeht, sollte man ihn als das nehmen, was ein „Tatort“ nun einmal vor allem ist – Fiktion.

Rudolf Ogiermann

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