Gegensätzlich: Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring).

TV-Kritik

„Tatort“-Märchen über den islamistischen Terror

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Kommissar Falke hat eine Neue - Kollegin. Wie sich das Duo aus Hannover in seinem ersten Fall "Gottes Zorn" schlägt, lesen Sie in unserer "Tatort"-Kritik.

Das ist sie also, die Neue. Besonders sympathisch wirkt sie anfangs ja nicht. Doch schon früh wird angedeutet, warum diese Frau anderen Menschen so verschlossen gegenübertritt: Irgendeine unschöne Vergangenheit quält Julia Grosz (Franziska Weisz). Ihre Dienstwaffe lädt sie nicht. Die Munition steckt sie nach kurzem Zögern in die Gürteltasche. Will da jemand nichts (mehr) mit Schießereien zu tun haben?

Weisz spielt die junge Beamtin, die – so erfahren wir am Ende – durch Einsätze als Ausbilderin in Afghanistan schwer traumatisiert ist und sich deshalb zur Flughafenpolizei Hannover hat versetzen lassen, mit zitronensaurer Miene. Wortkarg, in sich gekehrt. Und damit der perfekte Gegenpart zu „Tatort“-Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), Typ Straßenbulle, der geradeheraus sagt, was Sache ist.

Statt ihm eine zum Flirt bereite Kollegin an die Seite zu stellen, bei der er seine Sprüche hätte klopfen können, setzt das Hamburger „Tatort“-Team mit Grosz und Falke auf zwei völlig entgegengesetzte Charaktere, bei denen das Eis erst nach und nach zu brechen beginnt. Herrlich, wie sie ihm Paroli bietet. Beispiel Spurensuche, nur die beiden sind am Tatort. Er: „Sie melden sich, wenn Sie was finden, ne?“ Sie: „Sie sind der Erste, der’s erfährt.“

Im ersten Fall, den die beiden gemeinsam bestreiten, nimmt sich Drehbuchautor Florian Oeller viel vor. Schleuserbanden, internationaler Terrorismus, Glaubenskrieg. Im Fokus IS-Heimkehrer Enis Günday (Cem-Ali Gültekin), der einen Anschlag in Deutschland plant. Rocky Kovac (Christoph Letkowski) soll ihn schleusen, dabei gerät alles außer Kontrolle. Um nicht aufzufliegen, hält er den Möchtegern-Terroristen erst einmal bei sich zu Hause fest.

Da sitzen sie also, die beiden Männer. Der eine Soldatensohn, der andere gewillt, Zivilisten zu töten, um den Tod von Millionen Muslimen, die der Westen zu verantworten habe, zu rächen. Mit dem Gespräch zwischen den gleichaltrigen Männern hat Oeller das derzeit wohl größte Problem der Welt aufs Einfachste heruntergebrochen. „Deutschland führt keine Kriege mehr“, sagt der eine. Die Muslime würden sich gegenseitig töten. „Und wer ist dafür verantwortlich?“, erwidert der andere. Der Westen in seiner Gier nach Öl habe Unfrieden in die Länder des Nahen Ostens gebracht.

Unrealistisch wird’s, wenn der zu allem bereite Attentäter sich durch dieses eine Gespräch vom Anschlag abbringen lässt. Wenn die Frau des Schleuserchefs Mike Kovac (Alexander Wüst) nicht misstrauisch wird, als der plötzlich mitten in der Nacht „dieses und jenes“ erledigen muss. Merkwürdig auch, dass Gündays Komplize die Geiseln nicht selbst erschießt, als Günday die Waffe fallen lässt.

So ist dieser „Zorn Gottes“ mehr ein „Tatort“-Märchen, das davon erzählt, was passieren müsste, um das sinnlose Töten zu beenden. Schauspielerisch überzeugend, und mit offenem Ende. Wird Grosz auf Falkes Angebot eingehen, seine neue Partnerin zu werden? Der Fan sagt: Ja! 

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