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Nicht weit entfernt vom Tatort sieht Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann), dass ein Mann in einem Büro noch spät nachts arbeitet.

Vorab-Kritik zum Fall „Sturm“

Den Dortmund-Tatort durften Zuschauer lange nicht sehen - zu Recht

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Dortmund - Den Dortmund-Tatort „Sturm“ durften die Zuschauer an Neujahr nicht sehen. Auch nicht wie geplant Ende Januar. Der Grund: die beängstigende Handlung so kurz nach dem Anschlag in Berlin. Unsere Vorab-TV-Kritik.

„Sturm“ ist der zehnte Dortmund-Tatort, den Das Erste am Sonntag (20.15 Uhr) ausstrahlt. Gehen wir kurz neun Folgen zurück: Seit seinem ersten Fall provoziert Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, auch bekannt aus der Serie „Weissensee“) Verdächtige, Täter, Opfer, Kollegen, Vorgesetzte. Er setzt sich über Regeln hinweg, bestellt während der Arbeitszeit „ein lecker Pilsken“, trägt immer denselben ollen braunen Mantel und fühlt sich beunruhigend gut in die Mörder hinein, die er sucht. Erinnern Sie sich, wie sich Kriminaloberkommissar Daniel Kossik im ersten Fall (“Alter Ego“) über Faber aufregte? „Kann doch nicht sein, dass dieses Sackgesicht unser neuer Chef ist!“, schrie Kossik damals. Der Zoff der beiden Männer wurde von Folge zu Folge schlimmer, endete mit der Dienstaufsichtsbeschwerde, die Kossik Faber einbrockte. Manche Zuschauer geben dem jungen Kossik Recht, halten Faber für wahnsinnig, nicht von dieser Welt. Der neue Fall „Sturm“ wird auch die letzten Faber-Verteidiger davon überzeugen: Denn der Kommissar ist so irre, sich mit einem Mann, der einen Sprengstoffgürtel umgeschnallt hat, in einem Büro einschließen zu lassen. Lange durften die Zuschauer den Film nicht sehen, Das Erste hatte ihn zweimal verschoben. Zu Recht. Das Timing des beängstigenden Dortmund-Tatorts so kurz nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin hätte die Zuschauer aufgeregt. Der Programmchef des Ersten verriet Ende Dezember, was am Schluss passieren wird: das Selbstmordattentat eines Islamisten. 

Lassen Sie uns jetzt an den brutalen Anfang des neuen Dortmund-Tatorts springen.

Hochspannender Tatort beginnt heute mit Mord zweier Polizisten

Er droht damit, die Bombe hochgehen zu lassen: Muhammad Hövermann (Felix Vörtler) hat sich in der Bank verschanzt. Mit einem Sprengstoffgürtel.

Zwei Polizisten werden nachts in ihrem Streifenwagen erschossen. Kommissar Faber sucht den oder die Täter. In einer Privatbank, der sich Faber langsam nähert, leuchtet eine Schreibtischlampe, vor dem Computer sitzt ein Mann (Schauspieler Felix Vörtler, auch bekannt aus der neuen Serie „Phoenixsee“), der hektisch und konzentriert auf der Tastatur tippt. Er könnte etwas beobachtet haben. Erst ignoriert der Bankangestellte Fabers Rufe, dann schreit er: „Wer hier reinkommt, ist tot!“ Und dann folgt eine typische Faber-Aktion. Er wirft die Scheibe ein und steigt ein. Der Mann öffnet seine Jacke und Faber sieht darunter den Sprengstoffgürtel. Er schickt seine Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) weg. Er selbst bleibt in der Bank, versucht den Typen zum Reden zu bringen. Schauspielerin Anna Schudt sagt über diesen Moment: „Sie bittet, bettelt fast, weiß aber gleichzeitig, dass Faber nicht kapitulieren wird. Also kümmert sie sich um das ‚Außen‘, der Raum zu Faber ist geschlossen.“ Und Jörg Hartmann kommentiert: „Faber hat Todesangst. Das ist doch überraschend, oder? Seine Todessehnsucht scheint also überwunden zu sein, zumindest ist sie hier nicht größer als seine Lust am Leben.“

Szenenwechsel. Das Sondereinsatzkommando (SEK) und eine Frau vom Landeskriminalamt (LKA) kommen zum Tatort, besprechen sich mit Bönisch. Sie recherchieren, dass der Mann mit dem Sprengstoff Muhammad Hövermann heißt. Seiner zweiten Frau zuliebe konvertierte er zum Islam, trägt seitdem den Vornamen. Und dieser Hövermann hockt nun dort, mitten in der Nacht, und überweist Millionen auf andere Konten. Und über allem schwebt die Frage: Warum? Will sich dieser Hövermann an irgendjemandem rächen? Will er selbst das Geld einstreichen und damit abhauen? Handelt er fremdgesteuert, wurde er also mit diesen Transaktionen beauftragt und von jemandem gezwungen, den Sprengstoff am Bauch zu tragen? 

Viele Zuschauer werden abwechselnd zum Fernseher und zur Wanduhr blicken und sich wünschen, dass Fabers Team den Fall bitte schnell aufklärt.  

Dortmund-Tatort heute „Sturm“: Kommissare erleben unübersichtliche Situation 

Regisseur Richard Huber beschreibt, was in diesem Dortmund-Tatort von Anfang an anders ist als in den meisten Fällen: „Die Kommissare geraten sehr früh in eine unübersichtliche Situation, die sie völlig überlastet. Sie können von Anfang an nur spekulativ reagieren und sind gezwungen, sich in den Ermittlungen aufzuteilen, um jeder für sich mögliche Spuren zu verfolgen.“ Huber und sein Team hätten versucht, „den Zuschauer von Anfang an dieser Unübersichtlichkeit der Situation auszusetzen, er habe keinerlei Wissensvorsprung. Die Handlung passiert fast in Echtzeit. 

Das Ermittlerteam - Peter Faber, Martina Bönisch, Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) - „wird durch den Fall faktisch auseinandergerissen, die Kommissare können sich aber bei aller Feindseligkeit und Verletztheit dennoch aufeinander verlassen, auch wenn der Fall große Wunden reißen wird“, sagt der Regisseur. Das gelingt ihm und den Drehbuchautoren Martin Eigler und Sönke Lars Neuwöhner sehr gut. Wobei Fans des Dortmund-Tatorts sicher anfangs skeptisch waren, schließlich haben sie sich schon an den sehr guten Schreiber Jürgen Werner gewöhnt (er schrieb die ersten fünf Fälle sowie den siebten und neunten). Er ist also maßgeblich dafür verantwortlich, der Dortmund-Tatort Episodencharakter hat - die Handlungen bauen aufeinander auf.  In „Sturm“ streichen die Drehbuchautoren allerdings den zwischenmenschlichen Ballast raus. Das ist ungewöhnlich, aber nötig. Denn es soll sich 100-prozentig um den Fall drehen. 

Dieser Dortmund-Tatort ist der letzte Fall für Schauspieler Stefan Konarske

Daniel Kossik (Stefan Konarske) ist in dieser Szene auf sich gestellt. Es ist sein letzter Dortmund-Tatort.

Für den Schauspieler Stefan Konarske ist „Sturm“ der letzte Fall als Ermittler Daniel Kossik - mit einem dramatischen Abgang. Konarske will sich auf seine Theater- und Filmengagements in Paris konzentrieren. 

In einem Interview mit den Ruhr Nachrichten in Dortmund sagt er: „Ich habe nach fünf Jahren und zehn Folgen gemerkt, dass gewisse Konflikte – zum Beispiel mit Nora und der Abtreibung und der Konflikt mit Peter Faber – auf eine Spitze getrieben wurden, dass man sich gefragt hat: Geht das noch weiter? Oder ist es nicht eigentlich fast zu Ende erzählt?“ Und er geht nicht ohne einen Spruch, der Dortmunds Bewohner ein bisschen verletzen wird: „Es ist keine schöne Stadt. Aber was ich sehr zu schätzen weiß, ist, dass diese nicht vorhandene Schönheit hier egal ist. Die Menschen machen sich ihre Stadt schön.“

So sehen Sie den Tatort „Sturm“ heute im Fernsehen und in der Mediathek

Das Erste sendet den neuen Tatort des WDR am Ostermontag, den 17. April, um 20.15 Uhr. Wiederholungstermine sind am selben Abend um 21.45 Uhr auf One und am Dienstag (18. April) um 1.55 Uhr im Ersten. Nach der Erstausstrahlung ist der Tatort 30 Tage lang in der ARD-Mediathek zu sehen.

Frühere TV-Kritiken zu Fällen der Tatort- und Polizeiruf-110-Reihe

„Fangschuss“ (Tatort aus Münster), „Borowski und das dunkle Netz“ (Tatort aus Kiel), „Nachtsicht“ (Tatort aus Bremen), „Tanzmariechen“ (Köln-Tatort), „Dünnes Eis“ (Polizeiruf aus Magdeburg), „Der scheidende Schupo“ (Tatort aus Weimar), „Schock“ (Tatort aus Wien), „Wacht am Rhein“ (Köln-Tatort) „Klingelingeling“ (München-Tatort), „Dunkelfeld“ (Berlin-Tatort), „Sumpfgebiete“ (Polizeiruf München), „Es lebe der Tod“ (Wiesbaden-Tatort), „Taxi nach Leipzig“ (Jubiläumstatort, die 1000. Tatort-Folge), „Borowski und das verlorene Mädchen“ (Kiel-Tatort), „Echolot“ (Bremen-Tatort), „Die Wahrheit“ (München-Tatort), „Zahltag“ (Dortmund-Tatort), „Der König der Gosse“ (Dresden-Tatort).

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