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Hauptkommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch).

Spezial-Ausgabe an Ostermontag

Tatort Freiburg mit Heike Makatsch: Anschauen oder nicht?

Freiburg - Das Erste sendet heute den Spezial-Tatort aus Freiburg mit Heike Makatsch. Der Druck, einen grandiosen Krimi abzuliefern, ist hoch. Nur so ist zu erklären, warum "Fünf Minuten Himmel" überambitioniert gescheitert ist. Die Vorschau. 

Wenn ein Tatort das Label "Ostermontag-Spezial" bekommt und wenn Heike Makatsch die Hauptkommissarin spielt - dann muss der Film "Fünf Minuten Himmel" gut sein. 

Nein, so einfach ist das nicht. 

Der Tatort aus Freiburg ist mit der Ansage gestartet, kein 08/15-Krimi zu sein. Doch der selbstgemachte Druck war zu groß. Drehbuchautor Thomas Wendrich hat sich verzettelt. Er hat zu viel gewollt, die Figuren und den Fall überambitioniert gezeichnet - und ist damit gescheitert. 

Heike Makatsch spielt Hauptkommissarin Ellen Berlinger mit Baby-Bauch. 15 Jahre lang war sie raus aus Freiburg, arbeitete im riesigen London - und das lässt sie in ihrem neuen Team durchblitzen. Statt es dabei zu belassen, Berlinger als überlegene Einzelgängerin darzustellen, lädt ihr das Drehbuch noch Privatprobleme auf. Und was für schwere Brocken.

Tatort heute aus Freiburg: Probleme der Hauptkommissarin sind genug Stoff für 90-Minuten-Familiendrama 

Ellen Berlinger hat eine Tochter, die sie nach 15 Jahren wiedersieht (die hatte sie nach der Geburt bei der Oma in Freiburg gelassen), sie hat eine demente Mutter und keinen Mann an ihrer Seite. Das allein hätte genug Stoff für ein Familiendrama hergegeben, das an einem Mittwochabend im Ersten laufen könnte. Diese Geschichte "Mama kehrt zu ihrer verlorenen Tochter zurück, aber es ist kompliziert" in einen Tatort einzubauen, den der SWR vielleicht nie fortsetzen wird, ist unklug.

Der Fernsehsender prüft zwar aktuell Ideen, "wie es in einem zweiten Film mit Ellen Berlinger, ihrem Leben, ihrer Arbeit weitergehen könnte. Entschieden ist aber noch nichts", sagt die Fernsehfilmchefin des SWR, Martina Zöllner. Manches Geheimnis der Hauptkommissarin würde sich aufdecken, wenn Heike Makatsch weiter ermitteln dürfte. Dann wüsste der Zuschauer, wer der Vater des Babys in Berlingers Bauch ist, ob sie das Vertrauen ihrer Teenager-Tochter zurückgewinnen wird - oder ob sie ihr Kind wieder enttäuschen wird. 

Es gibt Szenen in diesem Tatort aus Freiburg, die uns Zuschauern unangenehm sind. Etwa dann, wenn Berlingers Kollegen mit Rätselmiene versammelt vor einem Monitor stehen und sich bedeutungsschwere Blicke zuwerfen. Entschuldige, SWR, das ist peinlich. Ganz schlechtes Schauspiel. 

Tatort heute aus Freiburg: Es ist die außergewöhnliche Kamera-Arbeit, die überzeugt 

In "Fünf Minuten Himmel" erleben wir Freiburg anders, als wir es uns vorstellen - "wenig sauber, ökologisch korrekt oder idyllisch", sagt Heike Makatsch im Interview mit dem SWR. Und das stimmt. Wir Zuschauer werden in schaurig eingerichtete, verlotterte Wohnungen geführt. 

Die künstlerische Kamera-Arbeit erinnert mehr an hochwertige Kino-Bilder als an normalesdeutsches Fernsehen.    

Tatort heute aus Freiburg mit Heike Makatsch: Über diese Szenen der Teenager werden wir Zuschauer reden

Nicht nur der komplizierte Fall im Jobcenter und Ellen Berlingers Probleme überladen die Story. "Fünf Minuten Himmel" thematisiert auch einen zweifelhaften Trend unter Teenagern, über den die Zuschauer reden werden. Wir verzichten auf einen Spoiler.

Tatort heute aus Freiburg: das Fazit

"Weniger ist manchmal mehr" - das gilt nicht nur für das Oster-Essen, sondern auch für diesen Film am Ostermontag (Sendetermin: 28. März, 20,15 Uhr, im Ersten). 

Tatort heute aus Freiburg: "Fünf Minuten Himmel" im TV und Internet

Der Tatort aus Freiburg, das Ostermontag-Special, läuft am Montag, 20.15 Uhr in der ARD. Der Tatort mit Heike Makatsch ist danach 30 Tage in der Das-Erste-Mediathek abrufbar. Nach dem Tatort sollten Sie übrigens dran bleiben: Direkt im Anschluss zeigt die ARD eine neue "Sherlock"-Folge: "Die Braut des Grauens".

Einige unsere früheren Kritiken: "Der scheidende Schupo" (Tatort aus Weimar), "Schock" (Tatort aus Wien), "Wacht am Rhein" (Köln-Tatort), "Land in dieser Zeit" (Frankfurt-Tatort), "Klingelingeling" (München-Tatort), "Wendehammer" (Frankfurt-Tatort), "Sumpfgebiete" (Polizeiruf aus München), "Taxi nach Leipzig" (1000. Tatort-Jubiläum), "Borowski und das verlorene Mädchen" (Kiel), "Echolot" aus Bremen, "Das Recht, sich zu sorgen" aus Nürnberg, "Ein Fuß kommt selten allein" aus Münster.

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