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"Bonnie und Clyde" hätte der neue Tatort aus Köln dank des Gangster-Pärchens Adrian und Laura (Ruby O. Fee und Rick Okon) heißen können. Doch die Macher entschieden sich für "Kartenhaus".

Vorschau auf "Kartenhaus"

Bonnie und Clyde im Köln-Tatort: Lohnt sich das Einschalten?

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Köln - "Komm, wir klauen uns ein Auto, ich fahr dich damit rum und wir spielen Bonnie und Clyde": Der Tatort aus Köln heute Abend heißt zwar "Kartenhaus", ähnelt aber in seiner Geschichte der des berühmten Gangster-Pärchens. Lohnt sich das Einschalten?

"Sie lügt. Er träumt." Das sagt Kommissar Max Ballauf über das Pärchen, das im neuen Tatort aus Köln auf der Flucht ist. Und eigentlich ist die Handlung damit schon perfekt zusammengefasst - warum das so ist, erschließt sich dem Zuschauer aber erst ganz am Schluss dieses Krimis.

Wobei: Der Köln-Tatort "Kartenhaus" ist gar kein Krimi. Vielmehr ein Thriller, zumindest in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes: Am Anfang passiert der Mord und Zuschauer und Kommissare wissen sofort und ohne jeden Zweifel, wer der Täter ist. Die restliche Handlung dreht sich darum, den Mörder zu schnappen. Und vor allem zu verstehen, warum dieser den reichen Mann in der schicken Küche mit dem Brotmesser erstochen hat.

Tatort heute aus Köln: Erinnert ein bisschen an Bonnie und Clyde

Der reiche Mann ist der Stiefvater der 17-jährigen Laura und hat diese, das wird dem Zuschauer schnell mitgeteilt, vergewaltigt. Lauras Freund, der 23-jährige Adrian, ersticht ihn deswegen - das jedenfalls scheint der Grund dafür zu sein.

Während Laura reich und verwöhnt ist, aus einem riesengroßen Luxus-Tempel-Haus kommt und 100 Freunde zu ihrem 18. Geburtstag einladen darf, ist Adrian in ärmlichen Verhältnissen in einer Plattenbausiedlung irgendwo in Köln aufgewachsen. Die Mutter ist krank und raucht den ganzen Tag und wohnt direkt neben mehreren Junkie-Wohnungen. Laura und Adrian sind das klassisch-tragische Pärchen - und um das Klischee noch weiter zuzuspitzen, reden sowohl die zwei Verliebten selbst als auch die Kommissare nicht nur einmal vom berühmt-berüchtigten Gangster-Duo Bonnie und Clyde.

Der Vergleich passt, eine gewissen Ähnlichkeit zwischen dem mordenden Pärchen und Adrian und Laura ist zu erkennen. Diese Ähnlichkeit wird allerdings fast dadurch zerstört, dass es zu oft angesprochen wird - der Zuschauer versteht den Bezug auch so. Und fragt sich: Ist darin schon ein Hinweis auf den Schluss versteckt? Sterben die beiden Liebenden, so wie die echten Bonnie und Clyde?

Tatort heute aus Köln: Lohnt sich das Einschalten?

Die wichtigste Frage vor jedem neuen Tatort: Soll man sich vor den Fernseher setzen?

  • Die Geschichte im Köln-Tatort ist einfach erzählt - ein großer Pluspunkt. Denn viele Filme dieser Reihe wollen zu viel, verwenden zu viele Figuren und zu viele Handlungsstränge.
  • Die Sätze sind stark. Da sagt zum Beispiel Freddy Schenk, als er mit seinen Kollegen an einen Tatort kommt und neben einer Lache aus Erbrochenem stehen bleibt: "Das ist ja mal ein Mörder mit Moral. Der kotzt wenigstens noch, wenn er jemanden umgebracht hat."
  • Der Witz wird auch nicht vergessen. Ein Running Gag zieht sich durch den Film, der mit der körperlichen Verfassung der beiden nicht mehr ganz jungen Kommissare zu tun hat, und der Frage, wie gut und vor allem effektiv sie es noch schaffen, einem jungen durchtrainierten Mann zu Fuß hinterherzurennen.
  • Der Schluss überzeugt - jedenfalls fast. Nur so viel sei verraten: Das Lied "It's a wonderful life" passt perfekt und schafft es durchaus, Gänsehaut zu erzeugen.

Fazit: Dieser Tatort ist ein Film, der unterhält. Er spielt in Köln und dreht sich doch nicht um einen Sex-Mob, der auf der Domplatte Frauen verfolgt. Und er dreht sich auch nicht um die Flüchtlingskrise, so wie in der vergangenen Woche in Stuttgart. "Kartenhaus" ist einfach ein guter Fernseh-Film, der spannend bleibt, obwohl der Mörder von Anfang an feststeht. Die Frage nach dem Warum ist hier ohnehin die viel interessantere. Wer gute Fernsehunterhaltung im Tatort sucht, ist perfekt aufgehoben. Wer hingegen die schweren Themen haben will und den gesellschafts-politisch-kritisch-anprangernden Ansatz sucht, sollte lieber ins Kabarett gehen.

Tatort heute aus Köln im Fernsehen

"Kartenhaus", Sonntag, 28. Februar, 20.15 Uhr, ARD

Falls Sie den Tatort am Sonntag nicht sehen können: Die ARD stellt die Folge 30 Tage danach in der Mediathek zur Verfügung.

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