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Ein Baby wird kurz vor Weihnachten tot in einer Kirche gefunden. Leitmayr (l.) und Batic ermitteln.

Unsere Vorab-Kritik ohne Spoiler

„Klingelingeling“: Bei diesem Tatort aus München wird Ihnen kalt

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München - „Klingelingeling“ heißt der Tatort aus München, der heute im Ersten läuft. Das Thema ist jedoch wenig heimelig: Es geht um die knallharte Bettelmafia.

Ein Baby liegt, in Windeln gewickelt, in einer Kirche. In ein paar Tagen ist Weihnachten. Doch das Baby ist kein Weihnachtswunder: Es ist tot, wurde nur ein paar Stunden alt. So beginnt der neue Tatort aus München, der am zweiten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wird und „Klingelingeling“ heißt. Der Name „Klingelingeling“ hat jedoch wenig mit dem Glockengeläut zu tun, das man allerorten über die Feiertage hören kann.

Im Weihnachts-Tatort geht es um die bitterkalte Realität der rumänischen Bettelmafia. Die hat zur Weihnachtszeit ihr Lager am Stadtrand von München aufgeschlagen und hofft auf das ganz große Geschäft: Die Kasse soll klingeln, Klingelingeling. In dieses Geschäft passt es deswegen nicht, dass die junge Rumänin Tida Dablika kurz vor den Feiertagen ihr Baby bekommt - denn dann kann sie kein Geld mehr in die Taschen ihrer Chefs schütten. Und auch ohne Babybauch werden die Münchner weniger spendabel sein. Das halten ihr die Anführer des Bettlerclans vor: „Du hast doch gesagt, das Baby kommt erst im Januar.“

Der Tatort, der diesmal zu Weihnachten im Ersten läuft, ist so gar nicht weihnachtlich. Klar, Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) sucht auch zwei Tage vor dem 24. Dezember noch nach einem Weihnachtsgeschenk für seine Mutter und muss zudem eine Weihnachtsgans bestellen. Der Polizeichor singt „Stille Nacht Heilige Nacht“ in der Kantine des Präsidiums. Alle hören zu. Danach wird gewichtelt. Aber festliche Stimmung? Die gibt es nicht. 

Tatort heute aus München: Bitterkaltes Thema in bitterkaltem Film

Ob das gut geht?

Sie sollten den Tatort definitiv nicht anschauen, wenn Sie einen besinnlichen, netten Weihnachtsfilm erwarten, in dem ein relativ unbedeutender Mord passiert, der schnell aufgeklärt wird und die Kommissare nebenher ein bisschen Glühwein trinken, ein paar Plätzchen verputzen und am Ende gemütlich um den Baum sitzen. 

Tida und Anuscha Dablika betteln im U-Bahnschacht.

Nicht nur das Thema, der ganze Film ist bitterkalt: Die Farben sind trostlos, München erscheint grau und regnerisch und die beiden rumänischen Schwestern sind stets in mehrere Kleiderschichten gehüllt. Und wenn Tida und Anuscha Dablika im U-Bahnschacht betteln, wenn sie stundenlang auf ihren Knien hocken und dafür vom Anführer des Bettlerclans Liquid Ecstasy eingeflößt bekommen, damit sie das körperlich auch aushalten, dann friert man vom Zuschauen.

Die Szenen mit dem toten Baby gehören zu den stärksten des gesamten Films, obwohl es gar nicht viele sind. Man kann kaum hinschauen, wenn Ivo Batic (Miroslav Nemec) in der Gerichtsmedizin steht und der Gerichtsmediziner das Kind aufdeckt, das unter einer Decke liegt. Die Kamera hält einen angemessenen Abstand ein, man sieht das Baby nie direkt. Gerade deswegen wird das grausame Geschäft der Bettelmafia umso deutlicher.

Tatort heute aus München: „Bettler versuchen spendenfreundliche Stimmung aufzufangen“

Den Bettlern wird Liquid Ecstasy eingeflößt, damit sie die körperlichen Strapazen aushalten.

Doch wie realistisch ist das Szenario der Bettelmafia, das im Münchner Tatort beschrieben wird? Robert Röske, Polizeihauptkommissar und Leiter der Zivilen Altstadtgruppe (ZAG) der Polizei München sagt: „Es ist für uns sehr schwierig, konkrete Aussagen über eine Bettel-Mafia zu machen. Wir sind uns allerdings sicher, dass es Strukturen im Hintergrund gibt, deren Organisationsform man als mafiös bezeichnen kann.“ Gerade während der Festtage ist auf den Straßen richtig viel los. „Wir verzeichnen zu Weihnachten sowohl einen zahlenmäßigen Zuwachs in der Innenstadt, als auch um die Christkindlmärkte herum. Da ist das Betteln zwar verboten, aber natürlich versuchen die Bettler, die spendenfreundliche Stimmung der Bevölkerung zur Weihnachtszeit aufzufangen.“

Eine freundliche Stimmung gibt es in „Klingelingeling“ nicht. Der Tatort zeigt ein erbarmungsloses Thema, das eigentlich nicht zu Weihnachten passt. Vielleicht auch, weil man während der Festtage nicht damit konfrontiert werden möchte - viele Menschen wünschen sich schöne Filme mit Liebe und Heiterkeit. Doch das Bettelgeschäft ist knallharte Realität, vor allem im hektischen letzten Monat des Jahres. Ab dem Heiligen Abend dann kommen viele Menschen zur Ruhe, haben Zeit. Möglicherweise auch für diesen rauen Tatort mit dem bitterkalten Thema. Vor dem man sonst vielleicht gerne mal die Augen schließen würde.

Tatort heute aus München läuft an Weihnachten in der ARD

Der Weihnachts-Tatort „Klingelingeling“ aus München läuft heute, am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, um 20.15 Uhr im Ersten und danach 30 Tage lang in der ARD-Mediathek.

Das waren die TV-Kritiken der vergangenen Tatort-Fälle

„Sturm“ (Tatort aus Dortmund), „Fangschuss“ (Tatort aus Münster), „Borowski und das dunkle Netz“ (Tatort aus Kiel), „Nachtsicht“ (Tatort aus Bremen), „Tanzmariechen“ (Tatort aus Köln), "Dünnes Eis" (Polizeiruf aus Magdeburg), „Der scheidende Schupo“ (Tatort aus Weimar), „Schock“ (Tatort aus Wien), „Wacht am Rhein“ (Köln-Tatort) „Land in dieser Zeit“ (Frankfurt-Tatort), „Wendehammer“ (Frankfurt-Tatort), "Dunkelfeld" (Berlin-Tatort), "Sumpfgebiete" (Polizeiruf München), "Es lebe der Tod" (Wiesbaden-Tatort), "Taxi nach Leipzig" (Jubiläumstatort), "Das verlorene Mädchen" (Kiel-Tatort), "Echolot" (Bremen-Tatort), „Die Wahrheit“ (München-Tatort), „Zahltag“ (Dortmund-Tatort), „Der König der Gosse“ (zweiter Fall aus Dresden), "Feierstunde" (Tatort Münster mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl), "Wölfe" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Und vergib uns unsere Schuld" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Wir - Ihr - Sie" (Berlin-Tatort), "Das Recht, sich zu sorgen" (Franken-Tatort), "Fünf Minuten Himmel" (Freiburg-Tatort), "Mia san jetz da wo's weh tut" (Jubiläumsfall München-Tatort), "Ein Fuß kommt selten allein" (Münster-Tatort), "Der Preis der Freiheit" (Polizeiruf des RBB).

pak

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