+
Brillantes Spiel: Die Kommissare Lindholm (Maria Furtwängler) und Borowski (Axel Milberg) werden von ihrem Entführer Klapproth (Florian Bartholomäi) im Jubiläums-Tatort ungewollt im "Taxi nach Leipzig" gefahren.

TV-Kritik zum Jubiläumsfall „Taxi nach Leipzig“

1000. Tatort macht den Zuschauern Angst – und das ist unheimlich gut

  • schließen

Der Drehbuch-Autor hat den Druck ausgehalten: Er hat einen dramaturgisch brillanten 1000. Tatort für die Kommissare Lindholm und Borowski geschrieben. Dieser Fall ist hohe Erzählkunst. 

Der Jubiläums-"Tatort" heißt genauso wie der erste Fall, der am 29. November 1970 ausgestrahlt wurde: „Taxi nach Leipzig“. Und das war am Sonntagabend wörtlich zu nehmen: Die Kommissare Charlotte Lindholm (Schauspielerin Maria Furtwängler) und Klaus Borowski (Axel Milberg), die sonst in getrennten Städten (Hannover und Kiel) ermitteln, sitzen auf der Rückbank eines Taxis. Gefesselt. Der Fahrer, Reinald, ein Ex-Soldat, entführt sie, bestimmt das Ziel: Leipzig. Keine Widerrede. 

Es ist dieser beängstigende Fahrer, der den Krimi so unheimlich gut macht. Die Rolle des aggressiven, intelligenten Rainalds gehört dem Schauspieler Florian Bartholomäi. Über seine Rolle sagt er: „Rainald ist eine der tragischsten Figuren, die ich je gespielt habe. Er ist in einer ausweglosen Situation, hat einen hohen Gerechtigkeitssinn und weiß, was er tut. Es war für mich sehr spannend herauszufinden, was bei Rainald antrainiertes Verhalten ist und wo lange unterdrückte Gefühle sein Handeln übernehmen." Die Rolle habe seine private Meinung zur Bundeswehr im Laufe der Recherche verändert und korrigiert.

Tatort "Taxi nach Leipzig": Merken Sie sich endlich den Namen Florian Bartholomäi

Bartholomäi liefert seit Jahren Toparbeit in der Tatort-Reihe ab. Doch mit seinem Namen verbinden nur wenige Zuschauer ein Bild. Erinnern Sie sich zum Beispiel an den Dortmund-Tatort "Auf ewig Dein": In diesem Psycho-Thriller spielte Bartholomäi den Kindsmörder Markus Graf. Er war Kommissar Peter Fabers eiskalter, sadistischer Gegenspieler.

Florian Bartholomäi spielt brillant den Taxifahrer Rainald Klapproth. 

Bartholomäi schafft darstellerische Tatort-Momente, wie sie sonst nur der fantastische Lars Eidinger in "Borowski und der stille Gast" und "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" gezeigt hat. Eidinger spielte darin den voyeuristischen Postboten Kai Korthals, der sich unbemerkt in das Leben seiner Opfer einschlich. Der gespenstische Satz eines Opfers "Er kommt überall rein. Er kommt durch die Wand" hat die Zuschauer so sehr erschaudern lassen, wie es jetzt Bartholomäi in "Taxi nach Leipzig" schafft. 

Der Tatort-Drehbuchautor lässt die Zuschauer in die drei Hauptfiguren hineinhören

Drehbuch-Autor und Regisseur Alexander Adolph gibt mit seinem Werk „Taxi nach Leipzig“ nicht einmal ein fitzelbisschen Anlass, ein Wort der Enttäuschung zu schreiben. Er selbst sagt über seine verantwortungsvolle Aufgabe: „Da Jubiläen, je größer und runder sie sind, etwas furchteinflößend Behäbiges anhaften kann, bin ich der Einladung, den 1.000. Tatort zu übernehmen, mit dem größten Respekt begegnet.“ Er hat ein dramaturgisch brillantes Kammerspiel inszeniert. Für jede der drei Hauptfiguren hat er ein Kapitel geschrieben. 

Adolph lässt die Zuschauer in die drei Hauptfiguren hineinhören. Sie hören, wie Borwoski versucht, sein schnell pochendes Herz zu beruhigen. Sie hören, wie Borowski innerlich über Lindholm schimpft ("Die Frau hat die Sensibilität eines Schneepflugs"). Der Fahrer ist unberechenbar. Die Zuschauer hören Rainald Klapproths Gedanken: "So wie die beiden da stehen, könnte ich sie problemlos töten."

Charlotte Lindholm (Maria Furtwänlger) und Klaus Borowski (Axel Milberg, Mitte) in der Gewalt des Entführers (Florian Bartholomäi, links).

Kommissarin Lindholm kommt den Zuschauern unglaublich nahe. Bilder aus ihrer Kindheit rasen durch ihren Kopf. Regisseur Alexander Adolph macht diese sichtbar. Furtwängler sagt über Lindholm: "Die große Angst bei Charlotte heißt Einsamkeit, heißt allein gelassen, heißt verlassen zu werden. Damit erklärt sich auch zum Teil ihre problematische Art, im Privatleben Beziehungen aufzubauen und auszuhalten." Der Fall "Taxi nach Leipzig" ist Lindholms stärkster. 

Der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, Volker Herres, sagt über die Tatort-Reihe: "Solange wir in der ARD den Mut zur Übertretung des Gewohnten aufbringen, werden sich für den Tatort – das ist meine Prognose – auch noch unsere Enkel und Urenkel begeistern. Und wer weiß, wie oft dann noch ein Jubiläums-Taxi im Tatort nach Leipzig fahren wird."

Jubiläums-Tatort am Sonntag im TV und in der Mediathek

"Taxi nach Leipzig" läuft am Sonntag, 13. November, um 20.15 Uhr in der ARD und ist danach 30 Tage lang in der Mediathek abrufbar. Verfolgen Sie die Meinungen anderer Tatort-Zuschauer auf Twitter - unter dem Hashtag #Tatort. Das Erste twittert auf seinem Profil @Tatort.

Jubiläums-Tatort "Taxi nach Leipzig": Im Anschluss gibt es eine Doku

Direkt nach dem Tatort "Taxi nach Leipzig" sendet das Erste eine Dokumentation über die Tatort-Reihe. Die Macher schicken die dienstälteste Kommissarin Ulrike Folkerts auf Ermittlungsreise durch die beliebtesten "Tatort"-Folgen.

13 Fakten zu 1000 Folgen Tatort

Gab es in 1000 Tatorten 1000 Leichen? Welche Ermittler waren am häufigsten zu sehen? Und was war die kurioseste Todesursache? Und welcher Tatort ist der berühmteste? Das alles und noch viel mehr hat Kollegin Patricia Kämpf gesammelt

Das waren die TV-Kritiken der vergangenen Tatort-Fälle

"Fangschuss" (Tatort aus Münster), "Borowski und das dunkle Netz" (Tatort aus Kiel), "Nachtsicht" (Tatort aus Bremen), "Tanzmariechen" (Tatort aus Köln), "Der scheidende Schupo" (Tatort aus Weimar), "Schock" (Tatort aus Wien), "Wacht am Rhein" (Köln-Tatort), "Land in dieser Zeit" (Frankfurt-Tatort), "Klingelingeling" (München-Tatort), "Wendehammer" (Frankfurt-Tatort), "Sumpfgebiete" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Das verlorene Mädchen" (Kiel-Tatort), "Echolot" (Bremen-Tatort), „Die Wahrheit“ (München-Tatort), „Zahltag“ (Dortmund-Tatort), „Der König der Gosse“ (zweiter Fall aus Dresden), "Feierstunde" (Tatort Münster mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl), "Wölfe" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Und vergib uns unsere Schuld" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Wir - Ihr - Sie" (Berlin-Tatort), "Das Recht, sich zu sorgen" (Franken-Tatort), "Fünf Minuten Himmel" (Freiburg-Tatort), "Mia san jetz da wo's weh tut" (Jubiläumsfall München-Tatort), "Ein Fuß kommt selten allein" (Münster-Tatort), "Der Preis der Freiheit" (Polizeiruf des RBB).

35-Sekunden-Trailer zum 1000. Tatort "Taxi nach Leipzig"

sah

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Bachelor 2018: Das sind die neuen Kandidatinnen
Die neue Staffel von „Der Bachelor“ läuft ab dem 10. Januar 2018 auf RTL. Der Kölner Sender hat bereits alle 22 Kandidatinnen vorgestellt.
Der Bachelor 2018: Das sind die neuen Kandidatinnen
Netflix: Mit diesem Tweet verärgerte der Streaming-Dienst seine Kunden
Mit einem Twitter-Post führte der US-Streamingdienst Netflix seinen Kunden vor Augen, wie genau er über diese Bescheid weiß. Viele Kunden reagierten empört.
Netflix: Mit diesem Tweet verärgerte der Streaming-Dienst seine Kunden
Hört Inka Bause bei "Bauer sucht Frau" auf? Sie hat neue Pläne
Sie ist das Gesicht der RTL-Sendung „Bauer sucht Frau“: Inka Bause (49). Schon die 13. Staffel flimmerte bis vor kurzem über die TV-Bildschirme in ganz Deutschland.
Hört Inka Bause bei "Bauer sucht Frau" auf? Sie hat neue Pläne
Wo läuft „Sissi“ an Weihnachten 2017 im TV?
Es ist jedes Jahr wieder eine der wichtigsten Fragen zum Fest: Kommt „Sissi“ an Weihnachten im Fernsehen? Hier erfahren Sie die Sendetermine zum Fernsehklassiker 2017.
Wo läuft „Sissi“ an Weihnachten 2017 im TV?

Kommentare