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Crystal Meth und ein junges Paar in Ekstase: Der neue Kieler "Tatort" zeigt die schönen Seiten der Sucht ebenso wie die Abgründe.

Borowski und die Drogen

"Tatort": Endloser Rausch im bläulichen Licht

Kiel - "Es ist das geilste Gefühl der Welt" – im Grunde ist das der zentrale Satz in diesem Krimi. Es geht um Crystal Meth, um die schönen Seiten der Sucht. Aber auch um die Abgründe.

Es geht um die Droge Methamphetamin, also Crystal Meth, und ihre zerstörerische Wirkung auf Körper und Psyche des Menschen, doch Regisseur Christian Schwochow spart die schönen Seiten der Sucht nicht aus. Minutenlang und in schnellen Schnitten zeigt er Szenen eines jungen Paares in Ekstase, Szenen eines scheinbar endlosen Rausches, in denen erst nach und nach die katastrophalen Folgen des Drogenkonsums sichtbar werden.

Abseits der grellen Blitze und der treibenden Musik in den Clubs ist die Welt in diesem „Tatort“ (ARD) düster, im bläulichen (Rest-)Licht suchen die Kommissare Borowski und Brandt (Axel Milberg und Sibel Kekilli) den Mörder eines jungen Mannes, von dessen Leiche zunächst nur der Kopf gefunden wird. Autor Rolf Basedow („Im Angesicht des Verbrechens“) steht für erdigen Realismus, auch in „Borowski und der Himmel über Kiel“ wirken seine Figuren wunderbar ungestylt und ungeschminkt, und das betrifft nicht nur die kaputten Gesichter der Junkies, sondern auch alle anderen Personen, vom kauzigen Bauern bis zum bürgerlichen Ehepaar, dessen Sohn sich am Ende als (Notwehr-)Täter herausstellt.

Über einige Wendungen des Buches kann man streiten, das Crystal-Meth-Labor in der Milchkammer, überhaupt die Bilder aus dem heruntergekommenen, fiktiven Dorf Mundsforde wirken wie halluziniert, doch darüber verlieren Basedow und Schwochow zum Glück nie den Blick für die bitteren Wahrheiten im Drogenmilieu. Und zu ihnen gehört, dass die (Groß-)Dealer allzu oft ungeschoren davon kommen – nicht nur, wenn die Polizei wie hier auf haarsträubende Weise das Leben einer Kronzeugin aufs Spiel setzt. 

Elisa Schlott als Rita trägt diesen Film, sehr echt zeigt sie eine Frau zwischen Traum und Albtraum, eine Verlorene zwischen Mädchenzimmeridyll und dem brutalen Kampf ums nächste Gramm „Stoff“. Am Ende, auch das wird nicht ausgespart, ist sie rückfällig geworden. Hervorragend auch die übrigen Darsteller, nicht zu vergessen Milberg und Kekilli, die die „Tatorte“ aus Kiel so unverwechselbar machen. Fein austariert sein Spiel von Lakonie bis Cholerik, nicht weniger gut abgewogen ihre Mischung aus hart und zart. Mit diesem Duo lässt sich noch so mancher außergewöhnliche Fall erzählen.

Rudolf Ogiermann

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