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Letzter Auftritt: Christian Tasche als Staatsanwalt von Prinz (sitzend), mit (v. l.) Dietmar Bär (Freddy Schenk), Kathrin Angerer (Gabi) und Klaus J. Behrendt (Max Ballauf).

Fernsehkritik

Tatort Köln: Es bleibt nur Christian Tasches Lachen

Köln - Das Drehbuch zerklüftet, originelle Pointen rar: Der Tatort Köln "Wahre Liebe" bot leider wenig Neues. Das Einzige, was bleibt, ist das Lachen von Christian Tasche, der während der Dreharbeiten starb.

Hier lesen Sie die TV-Kritik zum Tatort Köln in der ARD. "Ich bin glücklich verheiratet“, sagt Ermittler Freddy Schenk (Dietmar Bär) schon fast drohend zur Chefin der Agentur „Schöne Begleitung“. Die antwortet lebenserfahren-routiniert: „Das waren alle mal!“ Um die Brüchigkeit von Beziehungen geht es in diesem Krimi, und weil durch die „Tatorte“ (ARD) aus Köln oft ein Hauch von Weltschmerz wabert, sind, wen wundert’s, in „Wahre Liebe“ intakte Partnerschaften außerhalb des Hauses Schenk rar. Und wer weiß, ob der Kriminaler die Wahrheit sagt.

„Ein System, mit dem man berechnen kann, ob zwei Menschen zueinander passen“ – das Geschäftsmodell der Firma Lovecast scheint für die meisten Figuren die Lösung aller Probleme zu sein, für Schenks Kollege Ballauf (Klaus J. Behrendt), für die Polizeipsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler), für die neue Kollegin Gabi (Kathrin Angerer). Lauter einsame Menschen. Dass ausgerechnet die reiche Chefin jener (Internet-)Partnervermittlung schon bald tot in ihrem Büro liegt, ist, pardon, schon die originellste Pointe eines ziemlich zerklüfteten Drehbuchs (Maxim Leo) für den Tatort Köln.

Vielleicht hat der Tod Christian Tasches das Team gelähmt

Die kühle Geschäftsfrau, die sich nach heißem Sex sehnt und damit einen Hahnenkampf provoziert – das ist als Thema alles andere als neu und wird hier obendrein in schon viel zu oft gesehener Art und Weise durchexerziert, einschließlich Jagdgewehreinsatz des gehörnten Ehemannes.

Viel interessanter sind da die Nahaufnahmen der Frauen (Judith Engel, Sabine Orléans und Andreja Schneider), die sich „Lovecast“ anvertrauten und prompt betrogen wurden – nicht nur um viel Geld. Regisseur André Erkau führt sie effektvoll in die Handlung ein, doch ihre Geschichten wollen nicht zum Rest passen, ebensowenig die Jagd nach dem bösen Herzensbrecher, dem die seltsame Gabi als Lockvogel schon dicht auf den Fersen war.

Jede Menge interessante Typen in diesem Kölner Tatort, doch gelingt es den Machern nicht, aus vielen schönen Einzelszenen ein großes Ganzes zu komponieren, da hilft auch nicht das immer wiederkehrende, traurige Bild des herrenlosen Luftballons in Herzform.

Vielleicht hat ja der Tod Christian Tasches während der Dreharbeiten zu dieser Folge das Team gelähmt. So bleibt von diesem Film nicht viel mehr als das Lachen seines Staatsanwalts von Prinz in Erinnerung.

Rudolf Ogiermann

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