+
Ermitteln in Köln: die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). 

TV-Kritik

Tatort Köln: Neue Klischees aufgetürmt

  • schließen

Gesellschaftskritisch sollte er werden, der neue "Tatort". Er setzt sich, nach wie vor brandaktuell, mit der Flüchtlingskrise auseinander. Guter Schwarzafrikaner, böser Schwarzafrikaner – „Narben“ wäre geeignet gewesen, mit Vorurteilen aufzuräumen. Gelungen ist das nicht. Die TV-Kritik.

Update vom 20. Mai 2016: Der zweite Fall für die Nürnberg wird am kommenden Sonntag ausgestrahlt - doch wie gut wird der Franken-Tatort?

Update vom 6. Mai 2016: Am Sonntag läuft wieder ein Tatort aus Münster. Doch diesmal funktioniert der Klamauk nicht.

Wer Flüchtlingen hilft, in Deutschland ein neues Leben anzufangen, handelt richtig – vorausgesetzt, es sind die Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen, für die er oder sie sich einsetzt. Was aber, wenn es sich nicht um Opfer von Konflikten in der alten Heimat handelt, sondern um Täter? Mit diesem Problem setzt sich Rainer Butt, der Autor des jüngsten Kölner „Tatort“, auseinander und findet insofern einen neuen Dreh für einen Krimi aus der ARD-Reihe, die ja immer wieder auch gesellschaftskritisch sein will und soll.

Guter Schwarzafrikaner, böser Schwarzafrikaner – „Narben“ wäre geeignet gewesen, mit Vorurteilen, positiven wie negativen, aufzuräumen, hätte Butt nicht um die Geschichte eines Brüderpaares mit dunkler Vergangenheit herum neue Klischees aufgetürmt. Immerhin „enttäuscht“ er Zuschauererwartungen an das schon recht strapazierte Element der unangemessenen Polizeigewalt. Diese Wendung ist aber schon das einzig wirklich Originelle an diesem neuen Fall für die Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär).

Der Rest lässt es bei aller Komplexität der Story an Esprit vermissen. Er handelt von einem Krankenhausarzt aus dem Kongo, der umgeben ist von Frauen, die ihm wahlweise naives Vertrauen entgegenbringen oder von seiner Ausstrahlung als Mann geblendet sind. Unnötig platt auch die Idee, dass sich – natürlich – der dunkelhäutige Assistent (Patrick Abozen) am intensivsten für die Gewaltexzesse in dem afrikanischen Land interessiert, in die der ermordete Mediziner verstrickt war.

Hinzu kommt, dass Regisseur Torsten C. Fischer von der ersten Minute an ein äußerst behäbiges Tempo anschlägt und dabei brav alle Stereotypen fernsehpolizeilicher Ermittlungsarbeit nachbuchstabiert. Alle Figuren wirken wie sediert, ein Eindruck, der durch die Tatsache verstärkt wird, dass Fischer den hektischen Klinikalltag komplett ausblendet. Ein bisschen Spannung erzeugt er am Ende allein durch haarsträubende Fehler der Kriminaler, die die hochgefährdete Zeugin (Thelma Buabeng) in die Obhut der erstaunlich blauäugigen Kriminalpsychologin (Juliane Köhler) geben.

Das Ende ist maximal konventionell, wozu auch der letzte Satz der Mörderin passt: „Irgendjemand musste ihn töten.“ Ja, klar.

Lesen Sie hier unsere Vorab-Kritik zum Tatort "Narben" aus Köln.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Promi Big Brother: Voting-Panne am Tag 10 - was steckt dahinter?
So eine Panne gab es noch nie bei „Promi Big Brother“: Niemand musste am Sonntagabend das Haus verlassen! Was war in der Live-Show passiert?
Promi Big Brother: Voting-Panne am Tag 10 - was steckt dahinter?
Das ging zu weit: Elvers-Ex mit fieser Breitseite gegen Knappik
Sarah Knappik musste bei Promi Big Brother immer wieder ordentlich einstecken. Was sich allerdings nun ein Mit-Kandidat leistete, ging einen Schritt zu weit.
Das ging zu weit: Elvers-Ex mit fieser Breitseite gegen Knappik
Promi Big Brother: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
Es geht schon wieder los: Promi Big Brother bittet erneut mehr oder minder bekannte Stars in den Container und sperrt hinter diesen ab. Wer bei der aktuellen Staffel …
Promi Big Brother: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
Schuhbecks neues Kochbuch: Diesmal wird‘s neubayerisch
Alfons Schuhbeck ist mit neuem Kochbuch zurück im Fernsehen.
Schuhbecks neues Kochbuch: Diesmal wird‘s neubayerisch

Kommentare