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Die Schlinge zieht sich immer enger: Der Vergewaltiger Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann) hat Franziska (Tessa Mittelstaedt) in seiner Gewalt.

Grandioser Abschied

"Tatort" aus Köln: Atemlos

München - Die ARD bereitet Tessa Mittelstaedt mit dem Kölner „Tatort: Franziska“ einen grandiosen Abschied.

Der ganz starke Abgang ist im Film nur wenigen vergönnt. Den Actionhelden und Cowboys dieser Welt, harten Kerlen halt. Und, wie wir jetzt wissen, Frauen wie Franziska. Zum Abschied hat der WDR der Assistentin im Schatten des Kölner „Tatort“-Duos nach 14 Jahren die große Bühne geboten. Herausgekommen ist ein mitreißender Fall, der die Kommissare Ballauf und Schenk verändern muss.

Alles in dieser Geschichte um Franziskas Geiselnahme und Tod hängt an den Hauptdarstellern Tessa Mittelstaedt und Hinnerk Schönemann, der den Vergewaltiger und Mörder Daniel Kehl gibt. Ein Glücksfall. Jeder Dialog sitzt. Jeder Versuch, den anderen aus der Reserve zu locken, seinen Willen zu brechen, bleibt auf neue Weise beim Zuschauer hängen. Der größte Coup: Dass Kehl so lange so undurchsichtig bleibt, hält die Frage nach seiner Schuld bis zuletzt im Vagen. Keine Sekunde vor Franziska bemerkt der Zuschauer, welches Spiel der eines gerade im Gefängnis geschehenen Mordes verdächtige Häftling spielt. Regisseur Dror Zahavi inszeniert den Fall als atemloses Kammerspiel, in dem jeder der Beteiligten um Kontrolle ringt - selbst die blass gehaltenen Kommissare. Hier wartet niemand auf die Spurensicherung. Lieber zieht Ballauf die Beweise gleich zwei Mal selbst aus dem Zellen-Klo. Der Fokus liegt auf Franziskas Überlebens-Kampf, dem der Zuschauer nicht nur zusehen, sondern ihn mitgehen soll.

Weniger in der physischen als in der psychischen Härte liegt wohl auch der Grund für die Vorsicht des WDR. Dessen Entscheidung, „Franziska“ nicht nur vom 3. Advent auf Januar zu verschieben, sondern den Film erst um 22 Uhr zu zeigen, sorgte für Diskussionen. Der „Tatort“ als heiße Kartoffel - muss ja gut sein.

Dass solche Debatten Einschaltquoten bringen, hat dabei sicher mitgespielt. Denn so packend die simple, dafür gut durchdachte Geschichte (Buch: Jürgen Werner) auch ist - Nervenkitzel kommt erst spät auf, als Kehls Maske fällt und Franziskas Souveränität gebrochen ist. Bis dahin mimt sie etwas zu sehr die taffe, gutgläubige Kämpferin, die zu spät begreift, dass ihr die Macht längst aus den Händen geglitten ist. Das wäre vielleicht anders gewesen, hätte man den Stoff von Beginn an düsterer, abgründiger erzählen, tiefer in der schwarzen Seele des Bösewichts gewühlt. Nur in Fetzen erfahren wir, dass Kehl von seiner Mutter missbraucht wurde. Ein heißes Thema. Möglich, dass man beim WDR Angst vor der eigenen Courage bekommen hat.

Aber das ist Mäkeln auf hohem Niveau. Lange hat kein „Tatort“ mehr den Glauben an das Gute so zum Wanken gebracht. Das System von Schuld und Sühne, an das Franziska als Kehls Bewährungshelferin glaubt, gilt nicht mehr. Trotz positiver Gutachten ist Kehl einer, der töten muss, wie der Skorpion, von dem er erzählt: „Weil er nicht anders kann. Es ist in ihm drin.“ Spitzfindige mögen darin ein Plädoyer für Sicherheitsverwahrung sehen. Von der für Köln so typischen Sozialkrittelei ist das aber weit entfernt.

Weniger Krittelei, mehr Düsternis - darin liegt die Chance, die Franziskas Tod Ballauf und Schenk bietet. Ihr drastischer, starker Abgang muss die Kommissare noch lange beschäftigen. Hoffentlich sind sie bei der Aufarbeitung ihres Verlusts ein wenig motivierter als in der Schlussszene des „Tatorts“. Franziskas Erbe passt hier in einen Pappkarton. Die einzig unpassende Szene.

Marcus Mäckler

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