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Ballauf und Schenk ermitteln in einer Plattenbausiedlung mitten in Köln.

Die Merkur-Kritik

Der Terminator als Gentleman: So war der Tatort aus Köln

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Köln - Ein Gefühl der Ohnmacht und der Wut, das sich in einer Gewaltorgie entlädt, pervertierte Ritterlichkeit, die einen Menschen schließlich zum mehrfachen Mörder werden lässt – Autor Jürgen Werner und Regisseur Sebastian Ko muten ihrem Publikum einiges zu im neuen ARD-Tatort aus Köln.

Es fängt schon damit an, dass sie mit der Konvention brechen, nach der der Täter erst ganz am Ende überführt wird. In „Kartenhaus“ wissen die Zuschauer von Anfang an, nach wem die Kommissare Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) suchen müssen.

„Bonnie und Clyde“ standen Pate für die Geschichte eines verliebten Paares, das der Enge des Lebens entfliehen will und dafür buchstäblich über Leichen geht. Mit großer Souveränität bewegen sich Werner und Ko in den extrem gegensätzlichen Milieus, ohne dass ihr Film das eine wie das andere angestrengt zur Diskussion stellt. Da wird nichts problematisiert, man sieht der „total durchgeknallten“ Tochter aus dem Villenviertel und ihrem Freund aus dem Plattenbau über weite Strecken dieses Films einfach nur zu, wie ihr Drang nach Freiheit immer tiefer in die Sackgasse führt.

Tatort Köln: Es braucht exzellente Darsteller

Für solche Rollen braucht es exzellente Darsteller, und die hatte der Regisseur hier zur Verfügung (siehe auch Interview). Mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit spielt Ruby O. Fee die unreife, weltfremde Laura, die mit allerlei Lügen ihre Komplexe kompensiert, Rick Okon gibt Adrian, den Jugendlichen aus dem sozialen Brennpunkt, ohne die üblicherweise zur Schau gestellte Verwahrlosung – der Terminator als Gentleman. „Kartenhaus“ bewegt sich konsequent abseits klassischer Erzählmuster, ein Film wie eine (Alb-)Traumsequenz, eine Studie über eine allmähliche Enthemmung, die scheinbar unausweichlich mit der Selbstzerstörung endet.

Dass die Kommissare zeitweise wie Randfiguren wirken, tut diesem „Tatort“ gut – schon lange nicht mehr haben die Macher Behrendt und Bär so viel Lakonie gegönnt (und dafür auf allzu plattes Moralisieren verzichtet). Mäkeln ließe sich allenfalls an der etwas unmotivierten „Mutprobe“ von Assistent Tobias Reisser (Patrick Abozen) – aber ein bisschen Unvorhersehbarkeit musste wohl am Ende dieses ungewöhnlichen Krimis einfach sein.

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