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Wer ist hier der Schuldige? Im "Tatort" halten die Kommissare Max Ballauf ( Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk ( Dietmar B är, r.) Schwager Kai Grabow ( Lasse Myhr) zurück.

Kidnapping Thema bei "Lautes Heim"

Kölner "Tatort": Krimi-Spannung ohne Schnickschnack

Köln - Das Thema: Eine Kindesentführung. Spannend, trotz stoischer Ruhe der Kölner. Der "Tatort" am Sonntagabend war eine Wohltat zwischen den experimentellen Krimis der letzten Zeit. Doch einen Kritikpunkt gibt es.

Auf die Kölner ist Verlass. Mögen die anderen „Tatort“-Teams der Republik in Gummistiefeln Kinder retten, halb Hamburg in die Luft sprengen oder wie die Münsteraner ihre Clownereien bis in den Irrwitz treiben. Die Kölner bleiben, wie sie sind. „Trautes Heim“ ist dann auch ein solider Sonntagabendkrimi geworden und damit eine Wohltat zwischen all den Experimenten, die die ARD-Verantwortlichen derzeit dutzendfach abliefern.

Die Kölner zelebrieren ihre stoische Ruhe, bleiben ihren Prinzipien genauso treu wie ihren Moralvorstellungen. Und dass ein Mann zwei Familien haben kann und eine Agentur für Alibi-Beschaffungen bei Seitensprüngen engagiert, um seine Leben händeln zu können, dafür zeigen die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) selbstredend keinerlei Verständnis. Hierin liegt aber auch der einzige Kritikpunkt: Behrendt und Bär agieren oft lust- und teilnahmslos. Sie können ihren Charakteren kaum Impulse geben, ihre Geschichten scheinen erzählt.

Allerdings werden diese Probleme kaschiert von einem spannenden, mit Schnörkeln versehenen Fall rund um eine Kindesentführung (Buch: Frank Koopmann und Roland Heep), dessen Ende sich zwar anhand des verräterisch agierenden Schwagers Kai Grabow (Lasse Myhr) und dessen Frau Heike (Meike Droste) erahnen lässt. Doch kann der Zuschauer endlich wieder einen althergebracht inszenierten „Tatort“ genießen. So verzichtet Regisseur Christoph Schnee weder auf Klassiker wie das Böser-Bulle-guter-Bulle- Spiel bei Vernehmungen, noch folgt er dem Drang, das Mittelschichts- zu einem Sozialdrama hochzustilisieren.

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Dazu trägt auch Barnaby Metschurat mit seiner Rolle als doppelter Familienvater bei. Er stemmt diese mit erstaunlicher Souveränität und Glaubwürdigkeit. Man nimmt ihm ab, das sein Roman Sasse beide Frauen, beide Söhne liebt – und er die Hoffnung hegt, dass sich alles einrenken wird, sobald nur der eine entführte Sohn gefunden wird. Das einzig Überhöhte an diesem „Tatort“ ist also wieder mal nur Schenks Auto: ein Ford Mustang Fastback.

Angelika Mayr

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