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Klara (Eva Mattes) mit Franziska (Friederike Linke).

Krimi "Côte d'Azur"

TV-Kritik: Bodensee-"Tatort" erst Horrortrip, dann Schnulze

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Der Bodensee-"Tatort" am Sonntagabend im Ersten ist mehr und mehr vom Horrortrip zur Schnulze mutiert. Schade, schreibt Rudolf Ogiermann in seiner TV-Kritik.

Update vom 29. November 2015: Er ist wieder da - Lars Eidinger als fürchterlicher Serienmörder Kai Korthals. Heute Abend läuft der neue Kieler Tatort "Die Rückkehr des stillen Gastes" in der ARD.

„Stille Nacht“, ein Baby im Kinderwagen und eine junge Frau, die sich hektisch aufs Ausgehen vorbereitet – ganz klar, hier sollen (vorweihnachtliche) Idyllen zerdeppert werden wie leere Schnapsflaschen. Dieser „Tatort“ beginnt mit starken Bildern, er zeigt eine Mutter mit Kind wie von Sinnen durchs spätherbstliche Grau hastend und schließlich erschlagen im Feld liegend.

Drehbuchautor Wolfgang Stauch und Regissseur Ed Herzog führen, nein stoßen die Zuschauer hinein in eine Welt der Verlierer. Sie heißt „Côte d’Azur“ und hat so gar nichts mit dem Sehnsuchtsort im Süden zu tun. Dieser Ort liegt im Schatten, hier hausen Menschen, die gescheitert sind – der bankrotte Handwerker (Peter Schneider), der versoffene Ex-Polizist (Andreas Lust), der perspektivlose Punk (Kai Malina), der invalide Artist (Frank Fink), die drogensüchtige junge Frau, die Kunst studieren wollte (Friederike Linke).

„Muss man da ein Motiv suchen?“, fragt Kommissar Kai Perlmann (Sebastian Bezzel), und tatsächlich scheint alles auf eine sinnlose Bluttat im Suff hinauszulaufen. Das war den Machern dann aber wohl doch zu heftig, und so arbeiten sie im Laufe dieses Krimis komplexe Biografien heraus, die versöhnen sollen mit den verkrachten Existenzen aus der Baracke.

So mutiert dieser Film leider mehr und mehr vom Horrortrip zur Schnulze – mit einem kleinen Buben als Chiffre für die Macht der (Vater-)Liebe. Dass die anfangs so harten Männer ein Bad im eiskalten Rhein nehmen, um den kleinen Alex in der Klinik besuchen zu dürfen, ist dann schon der Gipfel des (Weihnachts-)Kitsches.

Schade, denn dieser Bodensee-„Tatort“ wollte mal so richtig kalt und schmutzig sein, er zeigt das Ermittlerduo im Dauerzwist, auch wenn man Eva Mattes als Kommissarin Klara Blum stets anzumerken meint, wie schwer sie sich tut, einmal nicht nett zu sein. Von den Schauspielern nutzt nur Friederike Linke als Franzi konsequent die Chance, die ihr das letztlich mutlose Drehbuch bietet – für die schonungslose Studie einer sensiblen jungen Frau, für die es kein Happy End geben wird.

Rudolf Ogiermann

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