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Souverän: Axel Milberg.

Tatort-Kritik: Borowski und der freie Fall

Kiel - Politiker seien die idealen Mörder, doziert der Kieler Hauptkommissar Klaus Borowski nach ein paar Minuten, denn sie hätten „ein dickes Fell“ und pflegten „einen vertrauten Umgang mit der Unwahrheit“.

Zu diesem Zeitpunkt weiß weder er, noch der Zuschauer, welche Dimensionen dieser Fall um einen toten Autor noch haben wird. Denn die Spuren führen geradewegs nach Genf, zum Tod des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel, um den es auch 25 Jahre später noch wilde Spekulationen gibt. War es Selbstmord – oder doch Mord?

Zum Glück gelingt Autor und Regisseur Eoin Moore im jüngsten ARD-„Tatort“ mit dem Titel „Borowski und der freie Fall“ ein leicht ironischer Tonfall, was diesen Teil der Geschichte betrifft. Da gibt es den skeptischen Chefermittler (souverän: Axel Milberg) und seine vor Jagdfieber vibrierende Assistentin (Sibel Kekilli), einen dubiosen Informanten, einen Koffer voller Geld und skurrile Szenen am Schauplatz des historischen Geschehens in der Schweiz. Moore tut gut daran, nicht zu viel zu riskieren in Sachen neue Theorien über das Schicksal des CDU-Politikers.

So weit, so originell – doch wie platt wirkt neben diesem (Polit-)Thriller der eigentliche Fall! Es beginnt mit Thomas Heinze, (auch) als heimlich schwuler Politiker eine Fehlbesetzung, und endet mit schrecklichen Klischees über die Welt des Fernsehens und der Politik. Man wundert sich über lebensferne Dialoge, Minister ohne Bodyguards und eine Kriminalpolizistin, deren zur Schau gestellte Respektlosigkeit („Und was haben Sie hier zu suchen?“) auf Dauer nervt.

Dieser Krimi zeigt, ohne es zu wollen, wie spannend die Realität ist und wie schwach bisweilen die Fiktion.

Rudolf Ogiermann

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