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Große Schauspielkunst vom Nachwuchs: Besonders die jugendlichen Darsteller überzeugten in "Das verkaufte Lächeln".

"Das verkaufte Lächeln"

Ohne den Holzhammer: So war der München-Tatort

München - Teenager, die ihren Körper über das Netz vermarkten: Darum ging es im Tatort "Das verkaufte Lächeln" aus München. Besonders überzeugend: Die jugendlichen Schauspieler.

Tims Eltern investieren sehr viel Zeit und Energie in ihren Laden, Florians Mutter jobbt für wenig Lohn, um sich und ihren Sohn über Wasser zu halten, bei Hanna herrscht zwar keine materielle Not, glücklich scheint aber auch sie nicht zu sein – eine Erziehungsberechtigte tritt lange nicht in Erscheinung.

Mit wenigen Strichen zeichnet Drehbuchautor Holger Joos die Milieus, in denen dieser neue Münchner „Tatort“ (ARD) spielt – und beglaubigt so ganz unaufdringlich das Motiv, das drei Teenager haben (könnten), ihre Körper übers Netz zu vermarkten.

Hier erfahren sie die ersehnte Aufmerksamkeit, ja Verehrung (vom Geld ganz zu schweigen) – auch wenn das Interesse der „Kunden“ einzig und allein ihrem Äußeren gilt. „Es dauert keine zwei Minuten, bis sich einer meldet“, sagt Hanna (Anna-Lena Klenke) irgendwann nicht ohne Stolz.

„Das verkaufte Lächeln“ beleuchtet das Thema „Cybergrooming“, die Anbahnung sexueller Kontakte über das Internet, und wählt dabei eine ungewöhnliche Perspektive. Was, wenn die Initiative dazu von den Jugendlichen ausgeht?

Jugendliche Schauspieler überzeugen

„Wer ist Täter, wer ist Opfer?“, fragt sich auch Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl). Es zeichnet diesen Krimi aus, dass die Macher auch im Umfeld der drei Hauptfiguren den Holzhammer weglassen. Pädophilie ist kein Phänomen am Rande der Gesellschaft, sie kommt in den „normalsten“ Familien vor, man sieht sie den Menschen (stark Maxim Mehmet als Guido Buchholz) nicht an.

Sehr klug verhandeln Joos und Regisseur Andreas Senn darüber hinaus den Umgang der Ermittler mit diesem Fall – und führen vor, wie die von nachvollziehbaren Emotionen geleitete Festlegung auf den Hauptverdächtigen (beeindruckend Miroslav Nemec als Kommissar Ivo Batic) fast in die Katastrophe führt.

Man mag das weißhaarige Münchner Duo hier und da belächeln, aber es hat schon auch etwas für sich, Kriminaler vor sich zu haben, in deren Agieren viel Lebenserfahrung mitschwingt.

Dass große Schauspielkunst nichts mit dem Alter zu tun hat, zeigen andererseits die jugendlichen Darsteller in „Das verkaufte Lächeln“. Anna-Lena Klenke, Justus Schlingensiepen als Tim und vor allem Nino Böhlau als Florian ragen aus einem insgesamt überzeugenden Ensemble heraus.

Rudolf Ogiermann

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