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Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec)

Maßlosigkeit bemängelt

Tatort-Kritik: So war "Die letzte Wiesn" aus München

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München - Tatort-Kritik: So war der Fall "Die letzte Wiesn" des Bayerischen Rundfunks aus München am Sonntagabend.

Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) will vor der Wiesn fliehen – und holt sie sich zu allem Überfluss in die eigene Wohnung. Denn wer kommt schon zur Oktoberfestzeit als junger Tourist nach München, wenn nicht aus genau diesem Grund? „Die letzte Wiesn“, der neue „Tatort“-Fall für Leitmayr und seinen Kollegen Ivo Batic (Miroslav Nemec), ausgestrahlt ausgerechnet am ersten Wiesn-Sonntag, dreht sich ums größte Volksfest der Welt – buchstäblich. Die Kamera (Moritz Schultheiss) zeigt das lichterblinkende Vergnügungsviertel in der Totalen, zoomt sich aber noch viel öfter nah heran an die feiernden Massen in den Festzelten. Das Bier schäumt, die Krüge klirren, die Musik dröhnt.

Dass hier nicht jeder eine Maß zu viel hat, der bewusstlos von der Bank kippt, ist die ernüchternde Ironie des Drehbuchs von Stefan Holtz und Florian Iwersen, die den realen Wiesn-Wirten gerade jetzt nicht schmecken dürfte. Saufen sozusagen unter polizeilicher Aufsicht nach dem ersten Todesfall durch die Droge Liquid Ecstasy – das ist nur eine der feinen Absurditäten dieses Krimis, der Zeigefingerei weitgehend vermeidet und das Hochfest des kollektiven Deliriums mehr dokumentiert als problematisiert. Und zwar nicht nur den exzessiven Alkoholkonsum mit allen negativen Folgen im engeren und weiteren Sinn, sondern auch die Maßlosigkeit hinter den Kulissen, wo’s ums große Geschäft geht und darum, wer davon profitiert.

Die Figur des Wiesn-Hassers (Julius Feldmeier), den der Zuschauer schon (zu) früh kennt, gibt diesem Fall den Thrill, auch wenn das Motiv des jungen Mannes diffus bleibt. Ein wenig klischeehaft dagegen die Nebenhandlung rund um eine Wirtedynastie und das (Ex-)Tabuthema Homosexualität – obwohl Gisela Schneeberger als taffe Geschäftsfrau wie immer ein Naturereignis ist.

Ohnehin überzeugt dieser „Tatort“ vor allem durch seine Atmosphäre, den nie versiegenden Witz und die guten Schauspielerleistungen (Regie: Marvin Kren). Wachtveitl und Nemec interagieren wie zuletzt stets hervorragend, auch Ferdinand Hofer als Kalli Hammermann und Lisa Wagner als Christine Lerch passen sich perfekt ins kriminalistische Geschehen ein. Gut auch Mavie Hörbiger als Bedienung, die die Doppelmoral im Umgang mit Drogen schmerzhaft am eigenen Leib zu spüren bekommt.

„Die letzte Wiesn“ ist ein Film geworden, der sein Sujet nie aus den Augen verliert und es dennoch so locker umkreist wie die Fahrzeuge beim Autoscooter den imaginären Mittelpunkt. Kritik am bayerischen Nationalrausch hin oder her – ein Grund, sich wegzuschießen, findet sich trotz allem immer.

von Rudolf Ogiermann

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