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Dominic Raacke spielt den Berliner Tatort-Kommissar Till Ritter.

Tatort-Kritik: Undurchdacht, aber auch intensiv

Berlin - Selbstjustiz, weil man sowieso dem Tod geweiht ist und nichts mehr zu verlieren hat? „Dinge, die noch zu tun sind“, dazu gehört für die Drogenfahnderin Melissa Mainhard (Ina Weisse) auch der Mord an drei Drogendealern.

Dies ist eine Pointe im neuesten „Tatort“ aus Berlin, die ebenso unvorhersehbar wie unglaubwürdig ist.

Da haben es sich Autor Jörg Tensing und Regisseurin Claudia Garde doch ein wenig zu leicht gemacht, als sie ihre Protagonistin in einen Todesengel verwandelten. Nichts im Leben dieser Frau deutet auf eine solche Entwicklung, und mag der Kampf gegen die Profiteure der Sucht, die junge Leute ins Verderben stürzt, noch so sinnlos erscheinen.

Auch sonst wirkt in diesem Krimi vieles undurchdacht. So geschieht beispielsweise der Handel mit dem Teufelszeug „Heaven“ vor aller Augen, und der jugendliche Hauptverdächtige kann den nicht mehr ganz jungen Kommissaren (Dominic Raacke als Till Ritter und Boris Aljinovic als Felix Stark) bei einer Verfolgungsjagd zu Fuß erstaunlicherweise am Ende nicht entkommen.

Daneben gibt es auch intensive Momente, und zwar immer dann, wenn über das quälend nahe Lebensende der krebskranken Polizistin reflektiert wird. Die Szenen zwischen Mutter und pubertierenden Töchtern lassen nicht kalt. Doch schon die Anteilnahme der Kommissare wirkt angestrengt, die Liebesgeschichte zwischen Mainhard und Ritter ziemlich konstruiert.

Die Berliner Ermittler stehen normalerweise für eine Kombination aus komplexen Charakteren und viel hauptstädtischer Atmosphäre. Diese Episode hat nichts von beidem.

Rudolf Ogiermann

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