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"Der Typ ist ein Voll-Spacko"

Dortmunder "Tatort": So war es

Klappe, die Zweite für den Dortmunder "Tatort": Die Geschichte dümpelt vor sich hin - aber die Ermittler erweisen sich dafür als umso spannender. Lesen Sie hier die aktuelle Kritik zu "Mein Revier"!

„Der Typ ist ein Voll-Spacko.“ So kann man’s auch sagen. Für Kriminaloberkommissar Daniel Kossik (Stefan Konarske) bleibt sein neuer Chef auch im zweiten Fall der Dortmunder ARD-„Tatort“-Truppe ein Rätsel. Dem Zuschauer geht es über weite Strecken nicht anders: Hauptkommissar Faber (Jörg Hartmann) drischt zu Ermittlungszwecken auf ein altes Auto ein, besticht einen Informanten, beleidigt einen Verdächtigten und gerne auch mal die Kollegen. Zwischendurch wirft er ein paar Pillen ein.

Verständlich, dass seine Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) genervt ist von diesem Unberechenbaren und ihm vorwirft, nicht teamfähig zu sein. Bönisch selbst hat nicht nur Probleme mit Faber, sondern auch mit ihrem Sohn und mietet sich, um den ganzen Stress zu vergessen, einen Callboy. Auch bei den beiden jungen Kommissaren geht’s zur Sache: Aus dem Flirt zwischen Kossik und Nora Dalay (Aylin Tezel) ist eine Affäre geworden, die zumindest für ihn wohl mehr ist als ein Techtelmechtel.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den vier Ermittlern sind die Stärke dieses Krimis – und weit interessanter als der eigentliche Plot. Ein stadtbekannter Zuhälter wird erschossen. Die Frau, die die Tat beobachtet hat, ist verschwunden und wird möglicherweise vom Mörder gesucht. Eigentlich eine Story mit viel Spannungspotenzial.

Trotzdem dümpelt die Geschichte vor sich hin. Das liegt zum Teil daran, dass die Protagonisten, allen voran die Mordzeugin, blass bleiben: Die bulgarische Prostituierte wird samt ihrer Familiengeschichte ratzfatz abgehandelt – so schnell, dass man sich als Zuschauer einen Rückspulknopf wünscht, um zu verstehen, was deren ermordeter Vater mit dem Fall zu tun haben soll. Auch wenn der sozialkritische Blick, den die Drehbuchautoren auf den bulgarischen Arbeiterstrich werfen, lobenswert ist – was die Qualität der Kriminalfälle angeht, ist hier noch Luft nach oben.

Gut also, dass es den Faber mit seinem zynischen Humor gibt, der die ansonsten zähe Story durcheinanderwirbelt. So ist man als Zuschauer zumindest damit beschäftigt, zu überlegen, ob der neue Hauptkommissar tatsächlich ein „Voll-Spacko“ ist.

Katharina Mutz

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