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Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts)

Tatort-Kritik: Entführung im Dschungel

Ludwigshafen - Die Kamera zeigt Bäume statt Straßenlaternen, stille Bäche statt des Rheinhafens, verfallene Burgen statt Wohnblocks. Und in der Totalen sieht man Natur so weit das Auge reicht, statt der üblichen Großstadtlandschaft.

Mit diesem Krimi hat sich Regisseur Ed Herzog auf ein ganz neues, fremdes Terrain begeben. Nicht Ludwigshafen, sondern der Pfälzer Wald ist hier einmal der „Tatort“ (ARD) – und Schauplatz einer packenden Geiselnahme.

Herzog taucht in „Der Wald steht schwarz und schweiget“ (Buch: Dorothee Schön) lustvoll ein in die (Gewitter-)Stimmung, die dieser Schauplatz bietet, und inszeniert den Krimi über eine Gruppe von fünf straffällig gewordenen Jugendlichen, die die Kommissarin (Ulrike Folkerts) in ihre Gewalt gebracht haben, als Dschungelabenteuer nur wenig abseits der Zivilisation. Man erwartet jeden Moment das Auftauchen wilder Tiere, aber wild sind ja schon die Entführer selbst, halbe Kinder noch mit einer düsteren Vergangenheit, an Leib und Seele tief verletzt – und darum so gefährlich.

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Dem Regisseur gelingt es – zusammen mit seinen hervorragenden Jungdarstellern – fast dokumentarisch wirkende gruppendynamische Prozesse zu erzeugen, die die Handlung vorantreiben. Tom, Sascha, Murat, Panne und Baby haben in ihren zerrütteten Familien nie Geborgenheit erfahren dürfen, kein Wunder, dass auch jetzt, in der Extremsituation, jeder jedem misstraut.

Gewiss darf man sich schon ein wenig wundern, warum sich die Kommissarin an einem Ort, an dem man den Täter noch in der Nähe vermuten muss, alleine in eine solche Gefahr begibt. Und gewiss muss man sich fragen, ob eine gekidnappte Kriminalerin im wirklichen Leben so viel riskieren würde, wie die Fernsehkommissarin hier riskiert. Doch ein wenig Kintopp ist schon erlaubt, schließlich bietet dieser Film dafür einen Polizeieinsatz wie aus dem Lehrbuch (beeindruckend in seiner Sorge um die Kollegin: Andreas Hoppe als Mario Kopper) und einen spannenden Showdown.

Alle Tatort-Teams ab Herbst 2012

Rudolf Ogiermann

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