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Haben ihre Kämpfe auszufechten: Majorin Fellner (Adele Neuhauser) und Oberstleutnant Elsner (Harald Krassnitzer).

Gut gebauter Plot

Tatort-Kritik: Fein gesponnen – grob gestrickt

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Melancholische Stimmung im Wiener „Tatort“ - auch das Ermittlerpaar kann sich der Stimmung nicht entziehen. Während sich alle Beteiligten bekriegen, zählt am Ende doch nur die Sehnsucht nach Harmonie.

(Ehe-)Partner, die ihren Dauerzwist regelrecht zelebrieren, und solche, die jäh ein Abgrund an Perversion oder Verbrechen trennt – fragile, zerrüttete Verhältnisse, privat wie beruflich, bilden die melancholische Grundmelodie dieses Wiener „Tatort“ (ARD). Das betrifft sogar das Ermittler-„Paar“, das sich gleich am Anfang nach allen Regeln der Kunst bekriegt mit dem genauen Wissen um die weichen Stellen beim jeweils anderen.

Klar, dass in „Wehrlos“, dem neuen Fall von Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser), zunächst auch alles nach einem Ehedrama aussieht. Doch die Toten sind der Chef der Wiener Polizeischule und seine Frau, und die Ermittlungen führen die beiden Kriminaler schnell ins Innere des Apparates. Gruppendruck, abartige Initiationsriten, Intrigen und „verschwundene“ Akten oder Asservate – eigentlich immer wieder dankbare Sujets, mit denen sich ordentlich Spannung erzeugen lässt, wenn der Plot denn gut gebaut ist.

Doch so fein und fast augenzwinkernd Drehbuchautor Uli Brée den roten Faden der Sehnsucht nach (ehelicher) Harmonie spinnt, so grob strickt er die eigentliche Geschichte, die vom Ende her gesehen ziemlich konstruiert wirkt. Denn dass der „zweite Mann“ an der Polizeischule ein Fiesling ist, sieht man ihm auf den ersten Blick an. Simon Hatzl als Gruppeninspektor Thomas Nowak lässt alle anderen Figuren in diesem Tableau der Verdächtigen, vom Einbrecher- und Erpresserduo bis zur Polizeischülerin Katja (Julia Richter), wie Randfiguren wirken (Regie: Christopher Schier). Und wer, wenn nicht der altgediente Polizist, könnte seinem in Bedrängnis geratenen Sohn im Kampf gegen die brutalen Spiele der (Schul-)Chefs beistehen, ohne am Ende zum Mörder werden zu müssen?

Zum Glück lassen Krassnitzer und Neuhauser mit ihrem wie immer virtuosen Spiel die Schwächen des Buches (fast) vergessen, Hubert Kramar als Oberst Ernst Rauter, Thomas Stipsits als tollpatschiger Assistent und Simon Schwarz als Nachtclub-Betreiber tun das ihre, diesen „Tatort“ wenn auch nicht verstörend, so doch durchaus unterhaltsam sein zu lassen.

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