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Misel Maticevic gibt als verzweifelter Vater und Mörder eine grandiose Vorstellung.

Sonntagskrimi mit Borowski und Brandt

Tatort-Kritik: „Das Fest des Nordens“ ist nichts für schwache Nerven

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„Borowski und das Fest des Nordens“, der letzte „Tatort“ vor der Sommerpause, war wahrlich nichts für schwache Nerven. Er war der letzte gemeinsame Fall des Kieler Gespanns.

München - Leichtfüßig beschwingt schickt uns die ARD-Programmplanung nicht in die Sommerpause. Auch wenn „Borowski und das Fest des Nordens“ nach Segeln, Sonne, Supersause klingt – der letzte Tatort ist der düsterste Krimi der Saison und keineswegs ­eine Werbung für die eben gestartete Kieler Woche. Regisseur Jan Bonny inszeniert das Volksfest als Tummelplatz torkelnder Trunkenbolde. Die alkoholschwangere Heiterkeit setzt den Kontrapunkt zum Schmerz, den der Mörder in dieser Geschichte anderen und sich selbst zufügt.

Eine starke Rolle für Misel Maticevic, der den arbeitslosen Familienvater Roman Eggers Grimme-Preis-verdächtig spielt. Der Einzelkämpfer – geschieden, frus­triert, gewaltbereit – steckt tief in der Schuldenfalle und findet nur dann Zugang zu seinen Gefühlen, wenn er seinen ­Kindern gegenübersteht. Ansonsten schlägt er zu – hart und unerbittlich. Und die Kamera hält drauf. Die Gewaltorgien in Bonnys Tatort sind nichts für schwache Nerven, 90 Minuten atmet dieser Krimi deprimierende Tristesse und stellt die Kommissare Borowski (Axel Milberg) und Brandt (Sibel ­Kekilli) vor die schwierige Aufgabe, einen Mann zu stellen, der nichts mehr zu verlieren hat.

Gehen getrennte Wege: Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Brandt (Sibel Kekilli).

Es ist der letzte gemeinsame Fall des Kieler Gespanns. Als solcher war er aber nie geplant. Mehrfach haben die Verantwortlichen „Das Fest des Nordens“, das nach einer Idee von Schriftsteller Henning Mankell 2015 entstanden ist, verschoben, um den Krimi schließlich zum Auftakt der Kieler Woche im Programm zu platzieren. Borowski und Brandt ätzen sich fortlaufend an. Er säuft, sie schimpft – kein schöner Abgang für Sibel Kekilli, die keine Abschiedsfolge wollte. Dafür quittiert sie mit einem Krimi den Dienst, den man in seiner Kompromiss­losigkeit sicher nicht so schnell vergessen wird.

Astrid Kistner

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