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Welche Rolle spielt die Ex-Freundin? Julia Koschitz als Henriette, hier mit den Berliner Kommissaren Felix Stark (Boris Aljinovic, l.) und Till Ritter (Dominic Raacke).

Begrabene Lebensträume

Tatort-Kritik: Abschiedsfilm ohne Abschied

Berlin - Der Berliner Tatort "Großer schwarzer Vogel" ist ein Abschiedsfilm, in dem der Abschied mit keinem Wort thematisiert wird. Mit etwas Fantasie lässt sich der Fall trotzdem zu einer Art Requiem umdeuten. Eine Kritik:

Erst beschließt der Sender, sich demnächst von seinen ARD-"Tatort"-Stars zu trennen, dann beschließt einer der beiden Stars, die Trennung sofort zu vollziehen – ein fairer Umgang miteinander sieht anders aus. Das Ergebnis ist ein Abschiedsfilm von Dominic Raacke, in dem der Abschied (nach immerhin 30 Folgen) mit keinem Wort thematisiert wird. Die Folge war einfach schon vor dem Dissens fertiggestellt.

Die Grundstimmung der Trostlosigkeit durchzieht den Film

Mit etwas Fantasie lässt sich „Großer schwarzer Vogel“ trotzdem zu einer Art Requiem umdeuten, denn auf das Leben aller Protagonisten fallen lange Schatten. In seiner Todessehnsucht hat Radiomoderator Nico Lohmann (Florian Panzner) die Leben zweier Unbeteiligter ausgelöscht, Jahre später ist es die Wahnsinnstat der Ex-Freundin (Julia Koschitz), bei der ein Kind ums Leben kommt, weil es zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Das Personal in Alexander Dierbachs Krimi nach dem Drehbuch von Jochen Greve hadert mit Schicksalsschlägen, muss Lebensträume begraben, steht vor den Scherben von Beziehungen. Die Grundstimmung der Trostlosigkeit, die diesen Film durchzieht, scheint sogar die schwangere Freundin Nicos (Klara Manzel) erfasst zu haben.

Dass der prominente Radiomann, der in seiner Sendung Verzweifelte im Minutentakt tröstet, selbst unfähig ist, sein Leben in die Hand zu nehmen, ist, zumindest auf den ersten Blick, ein Widerspruch in diesem gut gebauten, sorgfältig inszenierten Film, der lange offen lässt, wer hinter dem Anschlag steckt, der die polizeilichen Ermittlungen auslöst, und welches Geheimnis hinter dem mysteriösen Verkehrsunfall der Hauptfigur steckt.

Raacke und Aljinovic zeigen noch einmal, wie gut sie als Kommissare sind

Dass man bei „Großer schwarzer Vogel“ gerne zuschaut, hat auch mit den Schauspielern zu tun. Hans-Uwe Bauer, Peter Schneider, Andreas Günther, Karin Plachetka – alles wohltuend unverbrauchte Gesichter, die ihre Kunst in den Dienst der Rolle stellen. Auch Raacke und Aljinovic zeigen noch einmal, wie gut sie als Berliner Kommissare Till Ritter und Felix Stark sind, wie souverän sie die Balance halten zwischen dem Willen, ihren Fall zu lösen und der Melancholie zweier Kriminaler, die schon viel Unschönes gesehen haben in ihrem Berufsleben.

So gesehen bleibt Raackes Abgang doch noch länger in Erinnnerung. Die Kommissare, rührend hilflos gegenüber dem Leid einer trauernden Mutter – sicher ein besserer Schluss als jede bemüht komische Plänkelei zum Finale.

Rudolf Ogiermann

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