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Beten (v.li.): Ken Duken und Mehmet Kurtulus.

Tatort-Kritik: Heißes Eisen sicher beleuchtet

Hamburg - „Der Weg ins Paradies“ ist um Differenzierung bemüht. Die Tatort-Kritik vom Sonntag:

Hier ist kein Mord aufzuklären, hier werden keine Spuren gesichert und keine Verdächtigen verhört. Hier geht es um die letzten Tage vor einer (geplanten) Tat – und wie so oft bei dieser Art von Dramaturgie entfaltet auch „Der Weg ins Paradies“, der neueste „Tatort“ (ARD) aus Hamburg, eine enorme Spannung.

Autor und Regisseur Lars Becker hat mit diesem Film ein heißes Eisen angefasst, denn Gespräche, die in islamistischen Kreisen geführt werden, enthalten, auch wenn die Geschichte fiktiv ist, jede Menge politischen Sprengstoff. Becker geht auf Nummer sicher, indem er einen konvertierten Deutschen (Ken Duken) zum Kopf der Terrorzelle macht, in die sich der verdeckte Ermittler Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) einschleusen lässt.

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Der Chef-Fanatiker ist kein gebrochen Deutsch sprechender Mann mit schwarzem Vollbart, sondern ein Bürgersohn, der seinen Hass auf den Vater gleich auf die gesamte westliche Welt übertragen hat. So wirken die Worte, mit denen der blonde Gotteskrieger beispielsweise kleine Buben agitiert, weniger alarmierend.

Ansonsten ist „Der Weg ins Paradies“ um Differenzierung bemüht. Ein Muslim ist nicht automatisch ein Islamist, und der undercover ermittelnde Cenk alias Taylan darf über die Motive der Gruppe sagen, dass das „mit Spiritualität nichts zu tun“ habe, „geschweige denn mit dem Islam“. Ein liberaler Deutsch-Türke als Kontrastprogramm zum radikalisierten Deutschen. Geschickt montiert Lars Becker Personen und Handlungselemente zu einem fesselnden Ganzen. Da gibt es den ehrgeizigen BKA-Mann (Martin Brambach), der seinen eigenen Mann von außen in Gefahr bringt, und die frische Liebe Cenk Batus zu Gloria (Anna Bederke), für die er selbst einiges riskiert.

Das eigentliche Ereignis dieses Films ist das oft wortlose Spiel von Mehmet Kurtulus. Reflexionen über seine Identität als Muslim in Deutschland, der Wechsel zwischen Jagdfieber und nackter Angst, enttarnt zu werden – alles spiegelt sich in seinem Gesicht. Über das melodramatische Finale im Bus mag man geteilter Meinung sein, fest steht jedoch schon jetzt, noch vor der letzten Episode, dass die Figur des Cenk Batu fehlen wird in der Riege der „Tatort“-Charaktere.

Rudolf Ogiermann

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