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Szenefoto aus dem Tatort "Hinter dem Spiegel".

"Hinter dem Spiegel"

Tatort-Kritik: Polizisten im Loyalitätskonflikt

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München - Am Sonntag lief der Tatort „Hinter dem Spiegel“. Hier lesen Sie die Tatort-Kritik.

Die tödlichen Schüsse vom ersten Mal – sie haben Monate später ein Nachspiel im zweiten Fall der neuen Frankfurter Kommissare Anna Janneke und Paul Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch). Die Autoren setzen also auch hier auf eine Erzählweise, wie sie bereits an anderen ARD-„Tatort“-Schauplätzen praktiziert wird, beispielsweise in Dortmund oder Hamburg. Von Folge zu Folge plastischer werden sollen Charaktere und Lebensgeschichte(n) der Kommissare.

Und Jannekes erste Sätze über ihren Partner im originellen Prolog von „Hinter dem Spiegel“ zeigen, dass Protagonisten und Zuschauer in der Mainmetropole noch ganz am Anfang ihrer Entdeckungsreise stehen. Autor Erol Yesilkaya und Regisseur Sebastian Marka nehmen in ihrem wohltuend außergewöhnlichen Krimi vor allem die polizeiinternen Strukturen in den Blick, zeigen schonungslos die Loyalitätskonflikte, in die die Polizisten im Kampf gegen Kriminalität aller Art geraten. „Früher oder später macht sich jeder die Hände schmutzig“ – der Satz des Ermittlers Wolfgang Preiss (wie immer herausragend als biederer Fiesling: Justus von Dohnányi) steht wie eine Überschrift über dem Geschehen.

Yesilkaya und Marka konzentrieren sich vor allem auf die Kriminalertruppe, sie konfrontieren ihre Akteure mit grundsätzlichen Fragen – wem im eigenen Verein kann man vertrauen, wer spielt falsch, wer lügt? Die angenehm unverbrauchten Gesichter der Schauspieler spielen den Machern in die Hände, man lässt sich vorurteilsfrei ein auf den (nicht ganz so) einsamen Wolf Brix und auf die skurrile Janneke, die hinter ihrer entspannten Tantigkeit authentisch taff ist.

Den eigentlichen Plot dieses Krimis, den Abgrund von Geldwäsche und Russenmafia, halten die Macher klug im Hintergrund. Drehbuch und Regie balancieren souverän auf dem schmalen Grat zwischen Thriller und feiner Parodie (allzu pittoresk die opulente Feier in der Villa des Paten) und unterlaufen so jegliche Grübelei über die Frage, ob sich eine kriminelle Vereinigung dieses Kalibers wohl so einfach von zwei Kriminalbeamten austricksen lässt.

Einen Krimi so zu bauen, dass er bei aller Verrücktheit im Detail bis zuletzt spannend bleibt – das muss den Frankfurtern erst einmal einer nachmachen.

Rudolf Ogiermann

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