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"Tatort" - Axel Prahl und Jan Josef Liefers

Lieber albern als gekünstelt ernsthaft

"Feierstunde": So war der Tatort aus Münster

Münster - Verzweifelt zu versuchen, witzig zu sein, geht ebenso in die Hose wie ernsthaft zu sein, wenn andere Komödie erwarten. So war der Münster-Tatort von Sonntag. 

Update vom 21. Oktober 2016: Der neue München-Tatort verursacht Kopfschmerzen: Wir sagen Ihnen, ob es sich dennoch lohnt, "Die Wahrheit" aus München zu schauen.

Genau daran scheitert der Münster-„Tatort“ in seiner Jubiläumsfolge „Feierstunde“. Von den Kritikern wurde dem Ermittlerteam aus Nordrhein-Westfalen immer wieder vorgeworfen, zu albern zu sein. Als wollte Drehbuchautorin Elke Schuch all diesen Nörglern eins entgegensetzen, bedient sie diese Erwartung nicht: Der von Lars Jessen inszenierte Film will nicht Klamauk sein, sondern möchte in der 30. Folge die Nähe der Figuren untereinander herausstellen.o muss es Gastgebern gehen, wenn sie einen befreundeten Berufskomiker privat dazu laden, in der heimlichen Hoffnung auf einen Stimmungsbringer, dann aber ein erstaunlich unlustiger Trauerkloß am Buffett steht, der schweigend an seinem Wasser nippt. Erwartete Erkenntnis: Dieser „Tatort“ lebt von den Albernheiten und ist ohne sie zur Langeweile verdammt. Allein die Figur des Professor Boerne (Jan Josef Liefers): Sie ist so überspitzt angelegt, dass ein Herunterschrauben seiner Blasiertheit und Arroganz nicht glaubwürdig funktioniert. Geschickter Schachzug der Autorin: Ihn durch eine Vergiftung fast gänzlich zum Schweigen zu bringen. Doch dadurch, dass der von den Fans geliebte Schlagabtausch zwischen ihm und Thiel (Axel Prahl) dann ausbleibt, ist dieser Krimi weder konsequent ernsthaft noch komisch (Beispiel: die Kollegen, die überlegen, wer von ihnen Boerne zur Strecke bringen soll). Entscheiden sollte man sich schon – und am besten bei komisch bleiben, denn ernsthaft können andere der Reihe besser. Am Ende zeigt sich Boerne geläutert. Er gelobt, ein besserer Mensch zu werden.

Von nun an also keine Spitzen mehr und stattdessen ernsthaftes Arbeiten in der Stadt des Westfälischen Friedens? Aber nein. Wie gut für alle Münster-„Tatort“-Fans, dass die Menschen sich höchst selten ändern. Und so darf man sicher sein, dass man auch in Münster von der Gefühlsduselei zurückfindet zu schlechten Chauvisprüchen, Wortwitz und feiner Ironie.

Was verdient ein Tatort-Schauspieler? Nun wurden die Gagen veröffentlicht.

Sie wissen nicht, wo Sie den Tatort sehen können? Kein Problem, wir erklären es Ihnen hier.

Katja Kraft

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