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Ermittelt verdeckt: Kommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec, M., hier mit Nina Proll und Florian Karlheim.

Im Milieu der Drückerkolonnen

Tatort-Kritik: Gemeinschaft, die böse macht

München - Das Milieu der Drückerkolonnen bietet idealen Stoff für einen Tatort-Krimi in der ARD. Dieses Mal darf Miroslav Nemec verdeckt ermitteln - und stellt sich dabei gar nicht so schlecht an. 

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Drückerkolonne – dieses Wort steht zum einen für einen, vorsichtig formuliert, fragwürdigen Umgang mit potenziellen „Kunden“, zum anderen für die autoritären Strukturen der Organisation selbst. Und schon die ersten Minuten dieses Krimis machen klar, dass hier das Innenleben einer solchen Truppe ausgeleuchtet weren soll. Ein erfolgreicher Mitarbeiter wird vor aller Augen mit Geldscheinen belohnt wie der brave Hund mit der Extraportion Chappi. Die andere Seite dieses distanzlosen Daseins wird auch bald sichtbar – wer nicht aufs Wort gehorcht, wird hart bestraft.

Ein idealer Stoff für einen Thriller, den die Drehbuchautoren, Fred und Léonie-Claire Breinersdorfer, und Regisseur Elmar Fischer noch durch das Element der verdeckten Ermittlung anreichern. Wehe, wenn so ein Schnüffler enttarnt wird. „Ein neues Leben“, so der Titel dieser ARD-„Tatort“-Episode aus München, ist vor allem ein Fest für Miroslav Nemec, der als inkognito operierender Kommissar Ivo Batic ganz nebenbei sehr glaubwürdig auch den alternden Arbeitnehmer gibt, der alles tut, um noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

In dieser Zwangsgemeinschaft ist man, das zeigt dieser Film sehr schön, nicht per se böse, sondern aus purer Not auf der Jagd nach Geld und Glück. Und wenn’s sein muss, wird diese Jagd eben mit allen Mitteln veranstaltet. Fischer gibt seinen Figuren die Gelegenheit, das zu zeigen, exemplarisch bei Rupert (Florian Karlheim) und Vera (Anna Böger). Im Zentrum des spannenden Beziehungsgeflechts, das Buch und Regie geknüpft haben, stehen jedoch die beiden Frauen Isabella und Sandra (hervorragend: Nina Proll und Mina Tander). Ihr Verhältnis (im doppelten Sinne) zeigt, was passiert, wenn in diesem autoritären Milieu auch noch die (enttäuschte) Liebe eine Rolle spielt.

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Kein Münchner „Tatort“ ohne komödiantische Elemente. Diesmal findet man sie, außer in den üblichen Frotzeleien zwischen Batic und Leitmayr (Udo Wachtveitl) in der Person des Polizeianwärters Fechner (eine Spur zu schräg: Maximilian Schafroth) und in der des notorisch ahnungslosen Vorgesetzten Wader (Olaf Rauschenbach). Das muss man nicht mögen, es ändert aber nichts am sehr guten Gesamteindruck, den dieser Münchner „Tatort“ hinterlässt.

Rudolf Ogiermann

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