Tatort: Die Perspektive des Heckenschützen

München - Der jüngste ARD-Tatort überzeugt nicht nur mit einer spannenden und provozierenden Geschichte. Lesen Sie hier die Tatort-Kritik.

Keine schreckliche Kindheit, keine enttäuschte Liebe, keine lebenslange Frustration – nein, die kalte Wut darüber, dass seine Freundin im Autowrack auf der Autobahn rben musste, weil Gaffer den Helfern den Weg versperrten, macht im jüngsten ARD-„Tatort“ einen Menschen zum mehrfachen Mörder.

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Durchaus provozierend stellt Drehbuchautorin Astrid Paprotta die menschliche Schwäche Voyeurismus und das Motiv Rache in den Mittelpunkt der Episode „...es wird Trauer sein und Schmerz“, in der Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) in der niedersächsischen Provinz ermittelt.

Das Tatort-Quiz - Sind Sie ein Experte?

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Regisseur Friedemann Fromm inszeniert diesen spektakulären Fall – mit allen unerwarteten Wendungen im Großen wie im Kleinen – jenseits jeder Kommissariatsidylle samt kleinen Frotzeleien am Kaffeeautomaten. Statt dessen sieht man endlich einmal wieder Ermittler am Rande des Nervenzusammenbruchs, erbitterte Revierkämpfe, verletzte Eitelkeit, ausgebrannte Ordnungshüter. Das wirkt authentisch nicht zuletzt durch gute Dialoge und unverbrauchte Gesichter, namentlich Sven Lehmann und Felix Vörtler als Lindholms Kollegen auf Zeit. Jo Heims Kamera, die oft aus der Perspektive eines potenziellen Heckenschützen die Szenerie beobachtet, ist ein weiteres Plus in einem herausragenden Film, dessen Glanz nur der finale Alleingang der Ermittlerin ein wenig trübt.

Rudolf Ogiermann

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