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TV-Kritik

"Tatort": Saison-Auftakt mit leisen Tönen

München - Das war doch mal ein ordentlicher „Tatort“-Einstand nach der Sommerpause! Die Kollegen aus der Schweiz in Luzern waren im Einsatz. Hier geht es zur TV-Kritik.

Klar, die Münsteraner hätten stärker ihre Schrullen gepflegt, Til Schweiger hätte mehr Kawumm in die Szenerie gebracht. Doch das, was die Schweizer Eidgenossen am Sonntagabend mit ihrem fünften Fall namens „Geburtstagskind“ abgeliefert haben, war sehenswert und streckenweise sogar spannend.

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Und da sind wir von den Luzernern ja schon anderes gewöhnt...

Die Schweizer machen es einem nicht leicht, sie ins Herz zu schließen. Ihre Ermittler schauen zwar immer nett drein, wirken aber ansonsten profillos, und das Privatleben bleibt sowieso im Nebel des Vierwaldstätter Sees für den Fernsehzuschauer verborgen. Auch jetzt gab es wieder nur minimalste Hinweise auf die Menschen Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer). Sie erklärt knapp, ein Problemkind gewesen zu sein – aber warum er mit dem religiösen Fanatismus nicht zurande kommt, bleibt unklar. Ebenso, ob er Vater ist. Sein Blick als Antwort konnte frei nach gusto gedeutet werden.

Die 20 Tatort-Teams im Überblick

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Dabei wäre gerade das eine ideale Verknüpfung zum Fall gewesen, wurde doch die tote Amina Halter (Carla Chiara Bär) von ihren beiden „Superdaddies“ zu sehr „geliebt“, nämlich herumgeschubst, vereinnahmt. Und der dritte Mann, Freund und Vater ihres ungeborenen Kindes, lässt sie in der Telefonzelle stehen, wenn sie ihn braucht. Vertrauen, Selbstlosigkeit, Selbstwertgefühl: Was ist das? Doch in dieser Beziehung steht die Tochter der Mutter in nichts nach. Autor Moritz Gerber hat eine glaubwürdige und einleuchtende Geschichte erdacht, umgesetzt wurde sie von Regisseur Tobias Ineichen in ruhigen, leisen Tönen.

Nur einmal nämlich darf die Tochter ordentlich brüllen, meist aber sagt hier ein Schweigen mehr als tausend Worte. Sogar die musikalische Untermalung bleibt ihrem Namen treu – das müssen sich Regisseure erst einmal trauen. Bei dieser Lautlosigkeit allerdings können dann auch Sätze wie der des Sekten-Vaters „Ich bin so unendlich gnädig“ richtig wirken (erschreckend gut: Oliver Bürgin).

Und so stellt sich am Ende dieses klassischen Falls nur noch eine Frage: War es denn dramaturgisch so zwingend nötig, die Tote gleich vier Mal in der Frontale zu zeigen? Immerhin handelt es sich hierbei um ein erst 14-jähriges Mädchen.

Angelika Mayr

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