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Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind sich nicht einig, wie es weitergehen soll.

Das sagt die Polizei zu „Die Wahrheit“

TV-Kritik zum München-Tatort: Der Albtraum geht weiter

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München - Hier lesen Sie die „Tatort“-Kritik zu „Die Wahrheit“ vom Sonntag. Und: Das sagt die Polizei zum München-“Tatort“.

Lesen Sie hier, wie unsere Autorin Patricia Kämpf den München-Tatort bewertet. 

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz bei Krimimachern, dass nach 90 Minuten der Täter gefasst ist. Der gestrige Tatort mit dem Titel Die Wahrheit hat mit dieser Konvention gebrochen. Am Ende dieses großartig erzählten Films (siehe dazu die Kritik unten) standen Batic (Miro Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit leeren Händen da. Aber: Die Geschichte geht weiter! Die übernächste Folge aus München (Arbeitstitel: Der Tod ist unser ganzes Leben) wird die Geschehnisse aus Die Wahrheit wieder aufgreifen.

Ein Jahr später, so die Idee des Films, der 2017 ausgestrahlt werden soll, passiert in München ein ähnliches Verbrechen, wieder ohne erkennbares Motiv. „Der Albtraum für Batic und Leitmayr setzt sich fort und endet schließlich in einem Schreckensszenario, in dem es für sie um nicht weniger geht als um ihre berufliche Existenz, ihre Freundschaft und ihr Leben“, teilt der BR mit.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass ein Tatort endet, ohne dass der Täter dingfest gemacht wurde. Schon in der Folge Der tiefe Schlaf aus dem Jahr 2012 (für Kenner: Das ist die Gisbert-Folge!) hätten Batic und Leitmayr den Mörder einer jungen Frau nicht überführen, geschweige denn festnehmen können, erklärt François Werner von der Fanseite www.tatort-fundus.de. „Als die beiden einen Mann durch einen Wald verfolgen, kommt dieser durch einen Verkehrsunfall ums Leben“, so der Experte. Ob er wirklich der gesuchte Täter war? „Das bloße Wegrennen vor der Polizei ist kein Beweis.“

Auch früher gab es bereits Folgen ohne erfolgreiche Verhaftung am Ende. Etwa in Die kleine Kanaille aus dem Jahr 1986 mit Heinz Drache als Berliner Kommissar Hans Georg Bülow. Im Jahr 2010 scheiterten die Frankfurter Ermittler Sänger und Dellwo (Andrea Sawatzki und Jörg Schütt­auf) beim Versuch, einen Dreifachmörder dingfest zu machen (Weil sie böse sind). Gelegentlich ließen die Kommissare Täter auch laufen, so beispielsweise im ersten Tatort überhaupt, Taxi nach Leipzig (1970). In Frau Bu lacht (1995) ermöglichen Batic und Leitmayr einer mutmaßlichen Mörderin die Flucht nach Thailand. Und dann ist da natürlich noch Lars Eidinger als perverser Serienkiller, der Axel Milberg als Ermittler gleich zwei Mal entkommen ist – in Borowski und der stille Gast (2012) und, drei Jahre später, in Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes. Fortsetzung gut möglich.

So müde – so glaubwürdig

Es ist der Albtraum für jeden Ermittler: ein Mord ohne Motiv oder, besser gesagt, eine Tat ohne erkennbare Täter-Opfer-Beziehung. Am helllichten Tag wird Ben Schröder vor den Augen seiner Frau und seines kleinen Sohnes niedergestochen. Trotz zahlreicher Augenzeugen flieht der Täter unerkannt. Für die Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) beginnt eine zermürbende Suche nach der Wahrheit. Ihr 73. Tatort-Fall führt das Münchner Erfolgsgespann an die Grenzen seiner Belastbarkeit und gibt dem Zuschauer eine Kostprobe des Frustpotenzials, das in polizeilicher Ermittlungsarbeit stecken kann.

Selten hat man die Kommissare so gesehen – so müde, so ausgebrannt, so glaubwürdig. Dutzende Augenzeugen müssen in diesem Fall, der in seiner Willkürlichkeit an den sogenannten Isarmord erinnert, befragt werden. Ein groß angelegter DNA-Test beansprucht sämtliche Kapazitäten der Polizei. Und schon bald wird klar: Es gibt sie nicht, die eine Wahrheit. Jeder hat seine eigene.

Regisseur Sebastian Marka inszeniert das kluge Drehbuch von Erol Yesilkaya, das in den Dialogen wunderbar reduziert ist, klar und schnörkellos. Kameraführung, Bildästhetik, Dramaturgie – bei diesem Tatort stimmt wirklich alles. Der Fall, der in einer Sackgasse zu enden droht, fesselt in jeder Minute, weil er Empathie weckt – für die Familie des Opfers und die Ermittler, die sich an der perfiden Tat aufarbeiten.

Doch bevor sich die Aussichtslosigkeit der Ermittlungen lähmend auf die Handlung legen kann, schenkt Profilerin Lerch (leider zum letzten Mal mit dabei: Lisa Wagner) dem Fall eine Wende. Sie schickt Batic und Leitmayr auf die richtige Spur. Mit quietschenden Reifen schlittern die Herren auf der Zielgeraden in ein blutdrucksteigerndes Thrillerszenario. Die Wahrheit finden sie am Ende nicht. Ein mutiges und konsequentes Ende für einen außergewöhnlichen Krimi.

Das sagt die Polizei zum „Tatort“

Selten wurde in einem Tatort die alltägliche Polizeiarbeit (Gentests, Zeugenbefragungen …) so ausführlich dargestellt wie gestern. Für Markus Ellmeier von der Münchner Polizei war der Film gelungen und glaubwürdig. In der tz beantwortet er die wichtigsten Fragen zum Film.

Wie oft kommt es vor, dass es bei einem Mord keine Verbindung zwischen Opfer und Täter gibt?

„Bei Tötungsdelikten gibt es meistens eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer“, erklärt Ellmeier. 2015 stammten 82 Prozent der Täter von vollendeten und versuchten Tötungsdelikten im Bereich des Polizeipräsidiums München sogar aus dem direkten Bekannten- oder Verwandtenkreis des Opfers. „Tötungsdelikte ohne jegliche Vorbeziehung kommen vor, stellen aber eher eine Ausnahme dar.“

Der Film dokumentiert, wie wenig Verlass auf die Aussagen von Augenzeugen ist. Menschen, die dasselbe gesehen haben, geben unterschiedliche Schilderungen ab. Ein Problem, mit dem die Polizei häufig zu kämpfen hat?

„Die unterschiedliche subjektive Detail-Wahrnehmung von Zeugen ist ein bekanntes Phänomen“, sagt Pressesprecher Markus Ellmeier. Es stelle aber bei entsprechend richtiger Einordnung durch geschulte Polizeibeamte im Normalfall kein (!) Problem dar.

Wie kann man diesem „Phänomen“ im Sinne der Wahrheitsfindung entgegenwirken?

„Durch entsprechend umfangreiche und sorgfältige Ermittlungen werden Zeugenaussagen überprüft.“ Verlässliche Zeugenaussagen seien zudem lediglich ein möglicher Baustein zum Nachweis der Täterschaft. Daneben stehen eine Reihe anderer Möglichkeiten wie DNA-Spuren, Videoaufzeichnungen, Fingerabdrücke etc. zur Verfügung.

Wie viele ungelöste Fälle gibt es in München?

Im Jahr 2015 gab es laut Münchner Polizei acht vollendete Tötungsdelikte, 26 versuchte Tötungsdelikte. 32 von 34 Taten wurden geklärt.

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