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Muss seinen Schützling ausliefern: Mehmet Kurtulus als Cenk Batu und Michelle Barthel als Amelie.

Tatort-Kritik: Am Tropf der Angst

Hamburg - Am Anfang passiert normalerweise der Mord, dann wird ermittelt – und am Ende ist der Täter gefasst. Dass es auch ganz anders geht, zeigt seit einiger Zeit der Hamburger „Tatort“ (ARD), dessen Hauptfigur kein klassischer „Wo-waren-Sie-gestern-Abend?“-Vernehmer ist, sondern ein verdeckter Ermittler.

Die – meist über den Knopf im Ohr geführten – Dialoge zwischen der von Mehmet Kurtulus gespielten Figur des Cenk Batu und Uwe Kohnau, seinem „Führungsoffizier“ beim LKA (Peter Jordan), bilden das dramaturgische Korsett der Episode „Leben gegen Leben“, in der es um illegalen Organhandel geht. Autor und Regisseur Nils Willbrandt verzichtet in seinem von der ersten bis zur letzten Minute spannenden Film darauf, schwarzweiß zu malen. Die minderjährigen Spender zeichnet er als von der Gesellschaft ausgespuckte Individuen, um die sich niemand kümmert, die (reichen) Eltern der Empfänger hängen am Tropf der Angst um ihr todkrankes Kind und töten alle Skrupel in sich ab. In dieser Nährlösung gedeihen die Machenschaften derer, die sich mit dem Beschaffen von Nieren und Netzhäuten eine goldene Nase verdienen.

Willbrandts Held – und das macht die besondere Qualität dieses Werks aus – steckt in einem Dilemma, in das ein klassischer Kommissar so schnell nicht kommt. Er muss sein Inkognito wahren, um nicht sein eigenes Leben zu riskieren, zugleich aber das Leben des Mädchens Amelie retten, das er im Auftrag der Organhändler im OP abliefern und damit sozusagen eigenhändig zur Schlachtbank führen muss. Kurtulus verkörpert diesen Mann zwischen allen Fronten mit beeindruckender Intensität. Doch auch die Mitspieler – Michelle Barthel als aus der Welt gefallene Amelie, Peter Jordan als Kollege und Vorgesetzter sowie Stephan Bissmeier als Mediziner ohne Moral – überzeugen. Dass der Showdown allzu genretypisch inszeniert ist (und natürlich glücklich endet), verzeiht man dem Regisseur da gern.

Alle Tatort-Teams ab Herbst 2012

Rudolf Ogiermann

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