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Wie kam der Mörder in die Zelle? Conny Mey ( Nina Kunzendorf) und Frank Steier ( Joachim Król, M.) befragen den Vollzugsbeamten Günter Völler (Jürgen Rißmann).

Abschied von Nina Kunzendorf

Tatort-Kritik: Der beste Krimi seit Langem?

Frankfurt - „Wer das Schweigen bricht“ war der Titel des letzten Tatort mit Nina Kunzendorf. Der beste seit Langem? Wir fanden Sie den Tatort?

Tore öffnen und schließen sich, Wärter rasseln mit den Schlüsseln und mit ihrer Autorität in dieser (vermeintlich) abgeschotteten Welt, und sogar die Männer von der Kripo müssen sich einem fremden Kommando unterwerfen. Alles unter Kontrolle also im Knast? Nein, zeigt dieser „Tatort“ (ARD) aus Frankfurt . Und wie er das zeigt, gehört zum Besten, was man seit Langem in einem Krimi dieser Reihe zu sehen bekam.

„Wer das Schweigen bricht“ heißt die Episode, und der Titel beglaubigt das Gesehene im doppelten Sinn. Das (Jugend-)Gefängnis ist kein Ort, an dem es kein Verbrechen gibt, weil die „Bösen“ ja schon eingesperrt sind. Auch hier, das lehrt Drehbuchautor Lars Kraume ganz en passant, wird mit Drogen gehandelt, wird erpresst, bedroht, gequält – und manchmal sogar gemordet. Keiner will darüber reden, nicht die Häftlinge, die die Rache der Mitinsassen fürchten, nicht die Bewacher, die Angst vor einer schlechten Presse haben.

Autor Kraume und Regisseur Edward Berger inszenieren diesen Fall um einen in seiner Zelle gefolterten und getöteten Libanesen abseits der Routine endloser Verhöre und finaler Geständnisse – und genau das macht diesen Krimi so beklemmend realistisch. Hier wird nicht plötzlich „gesungen“, weil der Kommissar so virtuos fragt, hier prallen Fragen einfach ab an verschlossenen, leeren, zu Masken erstarrten Gesichtern. In ihnen ist zu lesen, dass der „Bau“ eher Verwahr- als Besserungsanstalt ist.

Doch die Sprachlosigkeit lastet in diesem „Tatort“ bleischwer nicht nur auf dem Fall, sondern auch auf den Ermittlern. Es dauert quälend lange, bis Conny Mey (Nina Kunzendorf), die sich als Polizeiausbilderin nach Kiel beworben hat, ihren Kollegen Frank Steier (Joachim Król) über den bevorstehenden Abschied informiert hat. Allein diese Szenen zeigen die große Klasse dieser beiden Schauspieler. „Wir zwei sind doch wie Pech und Unglück“ – so anrührend unbeholfen hat noch selten ein „Tatort“-Kommissar seine Partnerin zum Bleiben überreden wollen. Und auch Kunzendorf spielt grandios das Dilemma, in dem ihre Figur ganz offensichtlich steckt.

Wie schade, dass sie geht – und wie gut, dass uns wenigstens Król, den man selten so gut sah wie in dieser Rolle, erhalten bleibt.

Rudolf Ogiermann

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