+
Stress und Kälte machen Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) zu schaffen.

Kritik zum ARD-Krimi

"Tatort": Schweres Thema, leicht verdaulich

Wien  - Die "Abgründe" sind in dem gleichnamigen "Tatort" aus Wien abstoßend tief. Die Kommissare Eisner und Fellner müssen sogar gegen die eigenen Kollegen kämpfen.

„Die Sache stinkt total zum Himmel“ – ein Satz von Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), der im Grunde schon alles sagt über diesen ARD-„Tatort“ aus Wien. Der Ermittler und seine treue Bibi (Adele Neuhauser) wollen nicht nur den Fall der vermeintlich auf tragische Weise ums Leben gekommenen Kollegin aufklären, sie kämpfen überdies noch gegen die eigene Truppe, die ein großes Interesse daran zu haben scheint, die Arbeit des Duos mit allen Mitteln zu behindern.

Autor Uli Brée hat für „Abgründe“ den Plot vom perversen Kindesentführer, der ein Mädchen jahrelang in einer Art Verlies gefangen hält, erweitert. Anders als im Fall Natascha Kampusch, die hier Melanie Pölzl heißt, war der Täter in diesem Krimi Teil eines Netzwerks von Pädophilen, das bis in „höchste Kreise“ reicht. Ein wahrlich nicht ganz neues Sujet, trotzdem wie geschaffen, um Eisner und Fellner als unerschrockene Kämpfer für die Wahrheitsfindung zu inszenieren, die gegen alle Widerstände vor allem aus den eigenen Reihen die Fassaden der Wohlanständigkeit niederreißen. Vor allem Krassnitzer scheint die Rolle des unbestechlichen Polizisten zu genießen, den nicht einmal das Attentat auf die eigene Tochter in seinem Ermittlungseifer bremsen kann.

Regisseur Harald Sicheritz inszeniert die Gegenspieler seiner beiden Helden hart an der Grenze zur Karikatur – den leicht irren Bauunternehmer (Thomas Mraz), den Ex-Offizier mit Vorliebe für kleine Mädchen (Heinz Trixner) und den opportunistischen Polizeichef (Hubert Kramar). „Je beschissener das Klischee, desto wahrer ist es“ – noch so ein Eisner-Satz, der Pate stand für diesen Krimi.

Das leicht Groteske – bis hin zum Running Gag der stets im falschen Moment versagenden „Schlampenschleuder“ – nimmt „Abgründe“ ein wenig die Schwere, macht diese „Tatort“-Episode auch dank der brillant aufspielenden Hauptdarsteller zu einem Thriller, den man ohne schlechtes Gewissen ob des gar nicht lustigen Themas genießen kann.

Rudolf Ogiermann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

TV-Kritik zum Hamburg-Tatort: Ein Hauch von AfD und ein Kommissar mit Haltung
Im Tatort aus Hamburg greift die ARD auf eine AfD-ähnliche Partei zurück, in deren Umfeld ein Mord geschieht. Die wichtigsten Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie.
TV-Kritik zum Hamburg-Tatort: Ein Hauch von AfD und ein Kommissar mit Haltung
Einen überraschenden Fake gibt es! Was ist bei „Bares für Rares“ eigentlich echt?
Horst Lichter sorgt mit seiner Trödel-Show „Bares für Rares“ täglich für hohe Einschaltquoten. Da stellt sich die Frage: Ist da alles echt oder ist einiges an der Show …
Einen überraschenden Fake gibt es! Was ist bei „Bares für Rares“ eigentlich echt?
„The Voice“: Ein Franke vertritt Bayern im Finale
Der 17-jährige Benedikt Köstler aus Burgthann bei Nürnberg vertritt Bayern beim Finale von „The Voice of Germany“. Allein unter Frauen ist er der einzige männliche …
„The Voice“: Ein Franke vertritt Bayern im Finale
Gefährlichster Recall aller Zeiten: DSDS-Jury muss mit Waffen bewacht werden
In der neuen Staffel von DSDS reisen Jury und Nachwuchssänger nach Südafrika. Nicht nur gesanglich eine große Herausforderung.
Gefährlichster Recall aller Zeiten: DSDS-Jury muss mit Waffen bewacht werden

Kommentare