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Im Rockermilieu ermittelt Devid Striesow alias „Tatort“-Kommissar Jens Stellbrink (r.) in „Eine Handvoll Paradies“. Die Parteien treffen sich auf einer Straße im Saarland.

„Eine Handvoll Paradies“

Tatort-Kritik: Es hätte ein guter Krimi werden können ...

Saarbrücken - Sein Einstand als Saarbrücker „Tatort“-Ermittler Jens Stellbrink Ende Januar hat ungemein polarisiert, am Sonntag legte Devid Striesow einen zweiten Auftritt mit „Eine Handvoll Paradies“ nach.

Hier können Sie den Saar-Tatort in der ARD-Mediathek ansehen

Und es scheint, als sei bereits jetzt alles über die skurril-liebenswerte Hauptfigur erzählt worden zu sein. Der gestrige Fall in der ARD offenbarte jedenfalls in einer lustlos konstruierten Handlung etliche alberne, viel zu glattgebügelte Nebenfiguren. Und so blieben auch der Auftritt, die Verrücktheiten und der Charme des Ermittlers im Erwartbaren stecken.

Domina-Staatsanwältin? Damit konnten die Tatort-Regisseure wenig anfangen

Warum tut man das der Figur Stellbrink nur an? Eigentlich fällt sie auf im mittlerweile unüberschaubaren Wust der „Tatort“-Kommissare, hat Ecken, Kanten und keinerlei Knall-Boom-Bang-Szenen in schlecht kopierter Bruce-Willis-Manier nötig. Ihr (Reiz-) Potenzial steckt in ihr selbst. Doch braucht sie ein Drehbuch, mit dem sie sich entfalten kann.

Im zweiten Fall nun hätten die angedeuteten Duelle auch tatsächlich spannend werden können: Softi Stellbrink kämpft gegen die Rockergang, Chaot Stellbrink verfeinert mit Domina-Staatsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinbach) seinen Kleinkrieg. Doch Regisseur Hannu Salonen und Autor Felice Götze konnten mit all diesen Ideen wenig anfangen. So hatte offenbar jede Mami die Lederjacke ihres harten Rocker-Sohnemanns auf kirchenfein poliert, und Staatsanwältin Dubois würgt jetzt schon jedwede Zwistigkeit mit Stellbrink von vornherein ab. Schade auch, dass der eigentlich schöne Einfall à la „Western-Ästhetik trifft auf Rockermilieu“ nicht weitergesponnen wurde. Viel wollten die Macher, doch nichts verfolgten sie weiter.

Die Tatort-Kommissare

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Es hätte ein guter Krimi werden können, doch orientierten sie sich zu sehr am neuen Klamauk-Trend beim „Tatort“ – und bissen sich die Zähne aus. Und darf man eigentlich mit solch einem aktuellen Thema wie einem Rocker-Bandenkrieg so lapidar umgehen? Devid Striesow jedenfalls hätte es verdient gehabt, wenn man seine Schauspiel-Künste ernster genommen und schlauer eingefordert hätte.

Angelika Mayr

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